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Sonntag, 28. Dezember 2014

Assassins Creed Rogue

Playstaton 3 Game-Kritik #17

Erschienen Mitte November 2014, bildet dieses Spiel sowohl den Abschluss der Kenway-/Amerika-Trilogie, als auch den letzten Titel auf der siebenten Konsolengeneration und war sogar exklusiv für selbige. Chronologisch bildet es den mittleren Teil zwischen Assassins Creed IV - Black Flag und Assassins Creed III. Der Publisher war natürlich Markeninhaber Ubisoft, während das verantwortliche Studio die Zweigstelle in Sofia bildete und das Spiel damit sogar zu einem europäischen Produkt macht. Es erhielt bisher generell wenig mediale Aufmerksamkeit, da es gleichzeitig mit dem neuen AC-Titel der nächsten Konsolengeneration veröffentlicht wurde. Während alle Welt sich über die Probleme von AC-Unity brüskiert, scheint es nur sehr wenige zu geben, welche diesem letzten Last-Gen Titel die Aufmerksamkeit schenken, die er womöglich verdient. Im Folgenden werde ich erläutern, ob sich ein letzter Ausflug auf die Playstation 3 für dieses Spiel lohnt.




Story

Kurz vor Beginn des Siebenjährigen Krieges in den amerikanischen Kolonien. Shay Patrick Cormac ist ein noch ein relativ junges Mitglied der Assassinen-Bruderschaft in Amerika, rund um deren berühmten Mentor Achilles. Seine Ungestümheit und Ungeduld, lässt seine Lehrer verzweifeln. Er hat einen starken Freiheitsdrang und tut sich schwer damit, einem Regelwerk unterzuordnen. Selbst einem so freien wie dem der Assassinen Bruderschaft. Shay hinterfragt vieles und ist mit vielen Methoden der Bruderschaft nicht einverstanden. Als ein Vorfall mit einem Vorläufer-Artefakt schweren Schaden verursacht und dies keinem seiner Brüder zu denken gibt, er sogar schroff zurechtgewiesen wird, hinterfragt er ernsthaft seinen Glauben an das Credo. Doch selbst wenn er das Undenkbare tun würde und der Bruderschaft den Rücken kehrt, wo wäre er noch sicher? An wen könnte er sich noch wenden?

Ausführung

Ein neues Abenteuer, ein neuer Held - und sogar ein recht interessanter. Zum ersten Mal lernen wir einen Assassinen kennen, der die Bruderschaft nicht nur verlässt, sondern auch noch zu den Templern überläuft. Zwar gab es schon öfter Verräter, diese wurden uns jedoch bisher immer mit selbstsüchtigen Zielen erklärt. Bei Cormac hingegen werden die Beweggründe besser offengelegt und detailliert auf seine Enttäuschung mit den Assassinnen eingegangen. Leider endet die Entwicklung seines Charakters bereits im ersten Drittel des Spieles und er bleibt als leere Hülle zurück.

Die restlichen Charaktere sind sehr stereotypisch und einfach gestrickt, weshalb sie keine Aufzählung wert sind. Man trifft jedoch mehrere bekannte Leute wieder und es gibt viele Bezüge auf alte und zukünftige Ereignisse aus Assassins Creed IV und III.

Das wohl Bemerkenswerteste und Interessanteste an dem ganzen Spiel ist, dass hier auch einmal die Gegenseite gezeigt wird - die Templer. Diese sind nicht mehr nur einfach die böse Gegenfraktion. Es wird deutlich gezeigt, dass auf beiden Seiten ein breiter Graubereich existiert.

Interessanterweise schien Ubisoft dann doch keinen so klaren Bruch mit der Tradition des "Assassinen sind die Guten" machen zu wollen. Abgesehen von ein paar "Zwischengegnern", sind die Feinde der Templer/des Spielers (also die typischen Wachen und Soldaten) nie direkt als Assassinen dargestellt. Der Kleidungsstil und die Symbolik machen ihre Zugehörigkeit zwar klar ersichtlich, in den Dialogen und Texten ist jedoch stets die Rede von Söldnern und Banditen im Auftrag der Bruderschaft.

Was die Story in der Gegenwart betrifft... tja, wo nichts ist, da kann man auch nichts bewerten. Hier wurde nicht einmal mehr versucht den Anschein einer Handlung zu erwecken. Ein paar interessante Hintergrundinformation sind durch neue Hacking-Minispiele freischaltbar, aber nichts was der Rede wert wäre.

Story Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Gameplay

AC-Rogue vereint sehr viele Elemente und Funktionen aus allen bisherigen Teilen der Serie und vermischt diese zu einer neuen Kombination.

Für die Geldgewinnung sind Gebäuderenovierungen wieder sehr wichtig geworden. Diese sind immer als unterschiedliche Betriebe dargestellt, jedoch nie die Läden in denen man einkauft. Positiv hervorzuheben ist hier besonders, dass es nicht nötig ist zu Bankgebäuden zu gehen, um sein angehäuftes Vermögen abzuheben. Dies ist jederzeit auf dem eigenen Schiff und Außenposten möglich.

Verstreut über die Städte und offenen Gebiete sind gegnerische Forts und Bandenhauptquartiere. Diese gibt es sowohl in der Seekampf-Variante (aus Teil IV), als auch an Land (wie in Teil III und Revelations). Nach der Erledigung unterschiedlicher Vorbereitungen (Pulvervorräte zerstören, Scharfschützen eliminieren etc.), muss letztendlich der Kommandeur aus dem Weg geräumt werden. Die bis dahin feindliche Ansiedlung steht dann dem Spieler zur Verfügung.

Im Kampf und bei den Gegnern wurden zwei Neuerungen eingeführt, welche die Feindschaft mit den Assassinen verdeutlichen soll. Zum einen verwenden die Wachen/Soldaten des Feindes nun ebenfalls Rauchgranaten und zum anderen gibt es eine neue Gegnerklasse, die Schleicher. Diese verstecken sich auf Dächern, in Büschen, Brunnen etc (eben den Orten wo man bisher selbst als Attentäter lauerte) und lauern dem Spieler auf. Ist man nahe genug, stürmen sie aus dem Versteck und stürzen sich auf uns. Wehrt man nicht rechtzeitig ab, ist sofort der halbe Gesundheitswert dahin. Dieser neue Gegner vermittelt sehr gut das Gefühl, immer und überall auf der Hut sein zu müssen.

Das wahrscheinlich spannendste neue Gameplay-Element ist das Luftgewehr. Diese neue Waffe ersetzt das Blasrohr/den Bogen aus vorangegangen Spielen. Mit ihm werden nun die Berserker- und Schlafpfeile auf unachtsame Gegner abgeschossen. Zudem ist es im späteren Spielverlauf möglich, Granaten mit denselben Substanzen zu verschießen. Dies bedeutet, dass nun ganze Gegnergruppen beeinflusst werden können.

Historische Infos zum Luftgewehr

Ich hielt die Verwendung eines Luftgewehres zur Zeit des 18. Jahrhundert zuerst für historisch ziemlich gewagt. Tatsächlich haben diese Waffen aber nicht nur bereits existiert, sondern waren sogar sehr rege im Einsatz. Aufgrund ihrer vielen Vorteile gegenüber den damals noch recht primitiven Pulverwaffen, unterhielten viele Länder (darunter auch Österreich und Frankreich) sogar eigene Scharfschützeneinheiten, welche ausschließlich mit diese Gewehren bewaffnet waren. Was jedoch den angebrachten Granatwerfer betrifft - die hier suggerierte Verwendung war zu dieser Zeit tatsächlich noch reine Utopie.

Abgesehen von den bereits genannten Dingen, gibt es wieder unzählige Sammelobjekte in der ganzen Welt verstreut, welche zur Erforschung selbiger anregen. Positiv ist, dass die Vervollständigung einer Sammlung nun auch an erreichbare Vorteile geknüpft ist. Sprich es ist möglich, sich besondere Outfits zu verdienen, welche neue Funktionen oder positive Effekte bringen und so ein neues Spielgefühl vermitteln. Negativer Beigeschmack dieser Idee ist jedoch der sehr große Umfang der Sammlungen, sodass man erst sehr spät im Spiel die Vorteile genießen kann und meist nicht mehr viel davon hat.

Bugs und fehlerhaftes Gameplay

Leider gibt es auch weniger gute Dinge anzumerken - eine große Anzahl an Bugs und Designfehlern.

  • Bei Sprung-Attentaten ist es sehr leicht möglich in vorhängenden Gebäuden oder Objekten hängen zu bleiben.
  • Das Heranziehen eines zu enternden Schiffes oder das Anlegen an einen Steg dauert ewig und endet mit einem viel zu großen Abstand (sich mit dem Seil hinüberzuschwingen ist aufgrund der Distanz fast nie möglich).
  • Feindschiffe, welche im Rahmen einer Mission unversehrt erobert werden müssen, können durch Windhosen und Eisberge zerstört werden - ein Neustart ist ohne eigenes Verschulden nötig.
  • Die fließende Bewegung durch das offene Gelände (von Baum zu Fels etc) muss sehr oft unterbrochen werden, da Anschluss-Plattformen schlecht platziert sind (und somit teilweise unerreichbar).
  • Sich auf engem Gelände schnell zu bewegen ist fast unmöglich - der Avatar greift sofort nach jeder in Nähe befindlichen Kante.
  • Auf dem eigenen Schiff an Crewmitgliedern vorbeizulaufen schleudert diese regelrecht ins Wasser.
  • Muss im Rahmen einer Mission eine flüchtende Zielperson verfolgt werden, geschieht dies über einen Parcour, bei dem der kleinste Fehler nicht mehr wiedergutzumachen ist. Es ist jedoch fast immer möglich zu Beginn der Sequenz das Ziel einfach zu erschießen
  • Die Liste ginge noch endlos weiter ...

Das Nervige beziehungsweise Traurige an diesen Problemen ist weniger ihre Existenz an sich, sondern vielmehr die Tatsache, dass sie nichts Neues sind. Alle oben aufgezählten Probleme existierten in irgendeiner Form bereits seit mehreren Spielen (waren teilweise sogar schon behoben!) und wurden scheinbar einfach wieder übernommen. Und das kann es nicht wirklich sein - Funktionalitäten zu recyclen ist ja an sich nichts Schlechtes, aber dann sollte man wenigstens die Chance nutzen um bekannte Fehler auszubügeln anstatt blindlings zu akzeptieren.

Gameplay-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Grafik

Es wird weiterhin auf die bereits bewährte Engine gesetzt, Stilmäßig wurde jedoch ein neuer Weg eingeschlagen. Anstatt der tropischen Karibik befinden wir uns nun im gemäßigt bis kalten Norden Amerikas. Während sich New York und die Flusslandschaften Kanadas noch nicht so sehr von der Darstellung in AC-III unterscheiden, sieht es mit dem Nordatlantik schon gänzlich anders aus.
Der eisige Norden wird sehr stilvoll in Szene gesetzt - Schnee, Eisberge, gefrorene Flüsse und alles was sonst noch so dazugehört.

Es gibt jedoch auch ein paar Dinge zu bemängeln. Die Darstellung der Schatten sieht zum Teil desaströs aus. Große Flächen, an Bergen oder Gebäuden, sind noch akzeptabel. Die kleineren Flächen sind jedoch problematisch. Vor allem an Charakteren, deren Kleidung oder Gesicht, sind die Ränder extrem verschwommen und unscharf.

Grafik-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Sound

Die Qualität der Musik und der Sprecher ist wieder absolut in Ordnung. Es gibt weder zu leise Stimmen (wie in AC-III), noch werden Sounds überstrapaziert. Die einzelnen Stücke passen gut zu den neuen Landschaften des hohen Nordens und dessen Einsamkeit. Leider gibt es kein wirklich herausragendes oder markantes Stück, das mir als besonders im Gedächtnis geblieben wäre. Trotzdem im Folgenden die Melodie des Hauptcharakters.



Sound-Bewertung: 1,5 von 3 Game-Controller


Fazit

Assassins Creed Rogue bietet in vielerlei Hinsicht eine bunte Mischung aus allen bisherigen Teilen dieses bekannten Franchises. An vielen Stellen wurden Funktionalitäten verfeinert und was die Story betrifft, hat man sich durchaus zu einem kleinen Abenteuer hinreißen lassen.

Abgesehen davon bietet das letzte AC für die vorangegangene Konsolengeneration jedoch nur Mehr vom bereits Bekannten. Große Twists und Neuheiten sucht man vergebens. Letztlich ist Rogue zwar kein schlechtes Spiel, aber auch kein herausragendes. Fans, die vom altbekannten Rezept jedoch immer noch nicht genug bekommen können (oder die Überleitung zu Unity verstehen wollen), werden schon ihre Freude damit haben.

Gesamtbewertung: 7,5 von 12 Game-Controller

Asgarod

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