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Sonntag, 14. September 2014

Assassins Creed IV - Black Flag

Playstation 3 Game-Kritik #16

Teil IV der mittlerweile äußerst bekannten Game-Serie von Ubisoft erschien im Oktober 2013 und behielt so den Trend der jährlichen Fortsetzung bei. Er ist zugleich ein Prequel (in der historischen Linie) als auch ein Sequel (in der Moderne). Von vielen Magazinen und Kritikern hoch gepriesen, wurde sogar eine HD-Version für die Next-Gen Konsolen (Playstation 4 & Xbox One) veröffentlicht. Ein Blick hinter das aktuell allgemein wieder aufflammende Piratenfieber soll zeigen, ob der Sprung auf diesen Zug durch Ubisoft tatsächlich so gut geglückt ist.







Story
Gegenwart: Ein neuer Mitarbeiter bei Abstergo Entertainment beginnt sich der Geschichte eines von Desmond Miles Vorfahren zu widmen. Offiziell, um mit dem Material ein Videospiel zu entwickeln...
Animus: Edward Kenway (der Vater von Haytham und Großvater von Connor aus Teil III) ist seit kurzem Pirat in der Karibik. Nach einem verheerenden Kampf mit einer britischen Flotille, bei dem sein Kapitän und Schiff untergehen, findet er sich alleine mit einem Überlebenden des Gegners auf einer nahen Insel wieder. Nach kurzem Duell, kann er den Gegner töten. Als Edward die seltsame Kleidung des Fremden an sich nimmt, welcher mit zwei Unterarmklingen kämpfte, findet er auch einen Brief und ein Paket. Ersterem entnimmt er, dass sein Gegenüber anscheinend ein Mitglied des ihm unbekannten Assassinen-Ordens war, mit einer Botenmission hier in der Karibik; und scheinbar eine große Belohnung erhalten sollte. Seine Chance witternd, macht sich Edward verkleidet auf den Weg nach Havanna, wo der vereinbarte Treffpunkt sein soll.
Ausführung
Was sich schon wenig ambitioniert anhört, ist es auch. Nach der lieblosen und verfahrenen Gegenwartshandlung aus Teil III, hat Ubisoft eine andere Möglichkeit dem möglichen Scheitern vorgezogen: Es wird gar nicht erst versucht eine gute Story zu bieten. Als namenloser Mitarbeiter in einem Abstergo-Unternehmen herumzustreunen ist zwar ganz interessant (nebenbei kann man auch wieder Hacking-Minispiele absolvieren, um Hintergrundmaterial zu sehen) und man trifft sogar ein paar bekannte Charaktere, aber das Ganze ist so steril gehalten, dass es auch ein Dokumentarfilm aus Zwischensequenzen sein könnte. Zudem wird nur minimal auf das Ende aus Assassins Creed III eingegangen, geschweige denn, dass auch nur eine einzige der vielen offenen Fragen beantwortet würde. Es werden, im Gegenteil, sogar noch mehr Handlungslücken offenbart.

Wie üblich, ist die historische Handlung interessanter, wenn auch nur ein wenig. Der Konflikt zwischen Templern und Assassinen verkommt zur Nebensache in einer Schatzjagd, welche sich, wie immer, um ein Artefakt der Ersten Zivilisation dreht (welches sich letztlich als auch nicht so ganz toll herausstellt wie gedacht...).

Edward Kenway, unser Protagonist, wird als Pirat durch und durch präsentiert. Doch bereits hier ist zu bemerken, dass die Designer anscheinend nicht wussten was sie wollen. Einerseits steht Edward für die idealistischst mögliche Auslegung des Piratentums: Die Freiheit des Einzelnen, ohne Einschränkung durch Könige, Stand oder Eide. Andererseits wird ihm im Laufe der Handlung mehrmals von anderen Charakteren vorgeworfen, von Gier getrieben zu sein, ohne Rücksicht auf andere Menschen (obwohl dies niemals eindeutig gezeigt wird).

Generell wird das Piratentum in eine sehr romantische Darstellung gepresst. Alle Piraten sprechen von Freiheit und Chancengleichheit für alle. Überfallene Schiffe sind stets mit Soldaten bemannt und nicht zivil - womit indirekt die Auflehnung gegen das Britische/Spanische Imperium angedeutet wird. Man stehle somit ja nicht von Unschuldigen. Diese Darstellung wird teilweise aber mehr als übertrieben, beziehungsweise wirkt sie mehr als deplatziert, weil man weiß, dass Piraten durchaus Unschuldige ausgeraubt und getötet haben.

Nebencharaktere sind nur so minimalistisch wie möglich in die Story eingearbeitet und wirken mehr als Deko denn als Bereicherung. Beispielsweise kommen mehrere bekannte Piraten aus der Historie vor (zB Black Beard); diese verschwinden jedoch wieder genauso schnell, wie sie aufgetaucht sind.          
Die einzige Ausnahme bildet hier Adewale, ein ehemaliger Sklave und späterer Freund/Quartiermeister auf Edwards Schiff. Man erfährt viel über dessen Vergangenheit und was ihn geformt hat. Somit sind seine Aussagen auch die einzigen, die man ernst nimmt.

Insgesamt betrachtet, ist die Handlung in diesem Spiel zwar nicht die schlechteste der Serie, aber ganz sicher auch nichts Herausragendes. Trotz Potential, fehlt es hier deutlich an Arbeit und Feinschliff. Beides wiederum ist merklich in den nächsten Punkt geflossen.

Story-Bewertung: 1 von 3 Game-Controller


Gameplay

Beginnen wir gleich mit dem wichtigsten Kernelement des gesamten Spieles: Edwards Schiff, der Jackdaw. Selbiges ist eine Brigg und kombiniert die Funktionalität der Assassinen Hauptquartiere aus früheren Titeln, mit dem Maritimen Part aus dem Vorgänger. Dies ist der Ort, an dem man als Spieler bei weitem die meiste Zeit verbringen wird. Assassins Creed III begann bereits damit, Missionen nicht mehr nur in den Städten zu konzentrieren, sondern auch ein weites und offenes Gebiet dazwischen zu nutzen. Hier wird nun dieses Konzept auf die Spitze getrieben. Die Welt ist offener als jemals zuvor und jede erdenkliche Stelle ist mit dem Schiff erreichbar. Fast die gesamte Karibik zwischen Nassau, Kuba und Yucatan ist befahrbar. Die Jackdaw kann im Laufe des Spieles in vielen Bereichen verbessert werden. Diese betreffen entweder den Kampf (mehr Kanonen, stärkerer Rumpf etc.) oder rein optische Änderungen (Segel, Galeonsfigur etc.).

Somit kommen wir zum Kampfsystem auf dem Meer. Dieses ist in den Grundzügen noch sehr ähnlich zur ersten Umsetzung, wodurch sich Veteranen schnell ohne Probleme zurecht finden werden. Zusätzlich zu den Breitseitenkanonen und der Handkanone, gibt es nun auch Brandfässer, Riesenkugeln und Jagdkanonen. Je nachdem wie man zielt und auf welche Seite des Schiffes der Blick gerichtet ist, ändert sich die Auswahl der Waffe. Beispielsweise wechselt eine Kameraausrichtung nach hinten, automatisch auch zu den Brandfässern, welche Verfolgern in den Weg gelegt werden können.
Komplett neu ist die Möglichkeit feindliche Schiffe zu entern (wie es sich ja für einen richtigen Piraten gehört). Hierfür muss der Feind zuerst beschädigt werden, um ihn danach mit Kettengeschossen fahruntauglich zu machen. Anschließend wird die Jackdaw nahe genug herangebracht, um sich hinüberzuschwingen. Um den Gegner zu besiegen gibt es je nach Schiffstyp und Zufall andere Vorgaben. Einmal muss der Kapitän eliminiert, ein anderes Mal die feindlichen Pulverreserven vernichtet werden. Ist dies geschafft, kann entschieden werden was nun geschehen soll:
  • Den Bekanntheitsgrad verringern (ist dieser hoch genug, erscheinen Piratenjäger).
  • Das Schiff zerlegen um damit die Jackdaw zu reparieren.
  • Das Schiff in die eigene Flotte aufnehmen (dazu später mehr).


Das Kampfsystem an Land und die Fortbewegung haben nur eine Erneuerung erhalten (wenngleich diese sehr cool ist^^): Anstatt wie bisher nur eine einzige Feuerwaffe tragen zu können, ist es nun möglich (mit dem Herstellen der nötigen Ausrüstung), bis zu vier davon tragen zu können. In aussichtslosen Situationen, hat es mir oft das Leben gerettet, im Notfall sofort vier Gegner eliminieren zu können.

Neben dem Hauptstrang der Story gibt es unzählige Nebenaufgaben und Beschäftigungen:
  • Herstellung von besserer Ausrüstung (mit erlegten Tierteilen).
  • Tauchpassagen in und um gesunkene Schiffe.
  • Eroberung von Forts, um Gebiete aufzudecken.
  • Aufgaben um an spezielle Rüstungen zu kommen (Umriss-Rätsel, Templer-Jagd etc.).
  • Verwendung von Schatzkarten um Geld und Schiffsverbesserungen zu erhalten).
  • Und vieles mehr.

Das Geldsystem wurde in einer weiteren Iteration überarbeitet. Die Möglichkeiten, sich mit Reales (der hiesigen Währung) einzudecken sind:
  • Absolvieren von Missionen.
  • Leichname durchsuchen.
  • Lagerhäuser überfallen.
  • Schiffe entern (wenngleich auch nicht bei allen Typen).
  • Das "Kenway's Flotte" Mini-Spiel.
Vor allem der letzte Punkt ist der einträglichste und macht Spaß. Jedes erbeutete Schiff kann hier auf unterschiedliche Handelsrouten geschickt werden, um Rohstoffe zu handeln und so viel Geld einzubringen. Jede Route wird mit der Zeit jedoch gefährlicher, weil die Gegner-Flotten zunehmen. Um dies zu unterbinden, muss man nun eine Flotte aus drei Schiffen zusammenstellen, welche gegen die andere antritt. Jedes Schiff unterscheidet sich hierbei, je nach Größe,  Schnelligkeit, Schussstärke und Panzerung. Beispielsweise kommt ein großes Kriegsschiff kaum mehr als einmal zum Zug. Wenn es dann jedoch seine Kanonen abfeuert, ist der Gegner mit Sicherheit in Stücke gerissen.


Unverständlich ist mir jedoch, warum dieses Feature nur nutzbar ist, wenn man online ist. Ja, es gibt zwar die Möglichkeit mit Freunden zu interagieren, aber der Zwang hierzu ist meiner Meinung nach unnötig und störend.

Gameplay-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Grafik

Obwohl wieder dieselbe Grafik-Engine (AnviNext) benutzt wird, wie in Teil III, so hat sich doch einiges getan. Ich war wirklich erstaunt, wie sehr sich die Grafikpracht zum Besseren entwickelt hat.
Die Schiffe enthalten sehr viele Details - angefangen von der Struktur der Seile und Segel, über die Kanonen, bis hin zu feinen Verzierungen und Struktur-Unterschieden.
Große Fortschritte gab es ebenfalls bei der Kleidung und den Charakteren. Alle wichtigen Figuren (wie Edward, Black Beard, Anne, Bonny etc.) haben sehr gut herausgearbeitete Konturen und Details, sowohl im Gesicht als auch an der Kleidung.

Am meisten beeindruckt hat mich allerdings die Landschaft. Glitzerndes Meer, wunderschöne Inseln mit Sandstränden und Sonnenuntergängen - Karibikgefühl pur; das erste Mal, dass mich ein Spiel mit Urlaubswünschen erfüllen konnte. Zudem gibt es dieses Mal praktisch keine hässlichen Grafik-Glitches oder Unebenheiten.



Grafik-Bewertung: 2,5 von 3 Game-Controller


Sound

Die Komposition des Soundtracks wurde von Brian Tyler übernommen, welcher auch schon für Far Cry 3, The Expendables, Iron Man 3 und viele weitere bekannte Titel weltbekannt ist. Seine Qualitätsarbeit überzeugt auch dieses Mal wieder auf ganzer Linie. Die einzelnen Stücke vermitteln nicht nur das karibische Flair, den mittlerweile typischen Assassins Creed Track, sondern auch das in diesem Spiel Allerwichtigste: Das Gefühl ein Pirat zu sein. Im Folgenden ein Vorgeschmack in Form das Hauptthemas und der, meiner Meinung nach, besten Kampfmusik:



Sound-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Fazit

Assassins Creed IV hinterlässt mich mit einem sehr zwiespältigen Gefühl. Es sticht einerseits dadurch hervor, dass es noch keinen anderen Teil der Serie gab, in dem so dermaßen wenig Sorgfalt in die Story gelegt wurde. Andererseits gab es ebenso wenig einen Teil, welcher ein so feingeschliffenes Gameplay erhalten hatte.

So dumm die Charaktere und Handlung auch sind, in gleichem Maße macht das Gameplay Spaß. Und ja, ich gebe es zu: Es hat sogar verdammt viel Spaß gemacht, während eines Tropensturms alleine eine Flotille zu versenken. Oder Plantagen zu überfallen und sich auf einer der vielen Karibischen Mini-Inseln in der Kneipe zu betrinken.

Teil IV schafft es, die Quintessenz der Schiffsmissionen zu nehmen und daraus ein äußerst unterhaltsames Erlebnis zu zaubern, welches einen eigenen Titel durchaus rechtfertigt. Wem das genügt oder sich zumindest mit der Story abfinden kann, der wird eine Menge Spaß haben.

Gesamtbewertung: 7,5 von 12 Game-Controller

Asgarod

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