Translate

Sonntag, 27. April 2014

Far Cry 3

Playstation 3 Game-Kritik #15

Far Cry 3 erschien Ende 2012, wurde vom französischem Publisher Ubisoft und dessen Studio in Montreal entwickelt und erschien für alle gängigen Plattformen. Der Action-Shooter erhielt eine ab 18 Einstufung und hat keinerlei Story-Verbindung mit den restlichen Teilen der Serie. Den bisherigen Trend beibehaltend, wurde Far Cry 3 wieder als noch größer, offener und mit besserer Grafik angepriesen, als es bisher möglich gewesen sein soll. Wir werden nun sehen, ob dem tatsächlich so ist.




Story
Jason Brody und eine Gruppe aus Freunden, machen eine Südost-Asien Reise. Sie alle kommen aus gut betuchtem Hause und haben nur wenig Sorgen, während sie sich durch die Ländern feiern; außer vielleicht, dass sie am nächsten Tag keine gute Bar finden. Das alles ändert sich, als die Gruppe beschließt, einen blinden Fallschirmsprung (also ohne Peilsender auf nicht kartografiertem Gebiet) zu einer unbewohnten Insel zu machen. Tatsächlich gibt es auf Rook-Island aber sehr wohl Bewohner und die meisten davon sind Piraten. 
Jason und seine Freunde geraten so in die Gefangenschaft des Piraten Vaas und seiner Bande. Der psychopathische Pirat hat sichtlich seine Freude dabei, die Amerikaner zu quälen und ihnen klar zu machen, dass ihr unbeschwertes Leben vorbei ist. Bei einem Fluchtversuch von Jason und seinem Bruder, wird Letzterer von Vaas erschossen und nur Jason flüchtet ziellos durch den Dschungel, wo er schließlich einen Wasserfall hinabstürzt. Völlig benommen wacht er später in einer Hütte auf und kriegt gerade noch mit, wie ein Mann ein Tattoo an seinem linken Arm vollendet. Dieser stellt sich als Dennis Rogers vor. Er sei vom Eingeborenem Stamm der Rakyat und Jasons erfolgreiche Flucht aus dem Sklavenlager von Vaas wäre ein Zeichen dafür, dass die Tyrannei der Piraten nun endet. Jason wimmelt zwar ab, erkennt aber letztlich, dass der einzige Weg, seine Freunde zu retten, der Kampf gegen die Piraten ist. Was er allerdings noch nicht ahnt, ist, wie hoch der Preis dafür werden könnte ...

Ausführung

Wie bei Open-World Spielen üblich, bildet die Handlung einen eher groben Rahmen und entwickelt sich nur in den Hauptmissionen weiter. Hier hat man jedoch das Gefühl, dass auch die vielen kleinen Nebenmissionen ihren Teil dazu beitragen, dem eigentlichen Ziel näher zu kommen. Es gibt viele Wendungen und geschickte Winkelzüge, welche mich als Spieler mehrmals verblüffen konnten. Allerdings liegt die wahre Motivation in diesem Spiel weniger in der Handlung, sondern vielmehr im direkten Erleben und Machen von Erfahrungen (dazu mehr im Gameplay Abschnitt).

Die meisten Charaktere haben eher weniger Hintergrund und dienen lediglich entweder als Motivation (Jasons Freunde) oder helfende Begleitung (Dennis). Die wirkliche Konzentration liegt ganz auf:
  • Jason Brody: Am Beginn weiß man nicht all zu viel über ihn, außer, dass er ein ganz normaler Mittzwanziger ist, der das Leben genießt und noch nie ernsthafte Sorgen hatte. Plötzlich mit dem Tod seines Bruders und der Gefahr für seine Freunde konfrontiert, beschließt er zu tun was getan werden muss. Jason lernt im Dschungel zu überleben und zu töten. Anfangs noch irritiert, gefällt er sich in der Rolle des Krieger- und Rächers immer besser und fühlt sich zum ersten Mal richtig lebendig. Je weiter er jedoch seinem Ziel kommt und stärker wird, desto mehr verändert sich auch er selbst. Vor allem beim Zusammentreffen mit seinen Freunden, zeigt sich deren Entfremdung ihm gegenüber. 
  • Vaas: Anarchist, Soziopath, Psychopath, Sadist - all das und doch nichts gänzlich davon trifft auf ihn zu. Mit jedem Zusammentreffen wird deutlicher, dass ihm das anscheinend nicht nur bewusst ist, sondern es sogar genießt. Besonders auffallend sind seine Stimmungsschwankungen - in einem Moment erscheint er noch als angeregter Gesprächspartner, nur um im nächsten extrem aggressiv zu werden. Es gibt sogar mehrere Szenen, in denen er zu philosophieren beginnt; jedoch mit seiner eigenen kranken Logik argumentiert.

Randnotiz

Die deutsche Synchronstimme von Jason Brody stammt von Gerrit Schmidt-Floß, welcher in den meisten Filmen Leonardo DiCaprio seine Stimme leiht. Vaas wiederum wird von Simon Jäger gesprochen - der Synchronstimme von Matt Damon und Heath Ledger. Zuletzt ist noch die Stimme von Hoyt Volker erwähnenswert - nämlich Hans Jürgen-Wolf, welcher schon mehrmals Hugo Weaving sprach. Alle drei passen sehr gut zu ihren Charakteren.

Story Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Gameplay

Die Welt ist riesig und das Gebiet umfasst zwei Inseln, wobei erstere ungefähr zwei Drittel ausmacht. Vieles davon ist unwegsames Gelände und die meiste Zeit über wird man als Spieler deshalb zu Fuß unterwegs sein. Alternativ gibt es jedoch eine Reihe von Fahrzeugen, die einem zur Verfügung stehen. Von unterschiedlichen PKW-Typen (Buggy, Jeep, uralt Rost-Kommunisten-Kutsche), einem Quad, Wasserfahrzeugen (Patrouillenboot, Schlauchboot, Jet-Ski) und natürlich, wie in jedem Far Cry, ein Paragleiter, ist alles vertreten was nötig ist, um sich etwas schneller über die Insel zu bewegen. Doch selbst mit den Fahrzeugen würde man die meiste Zeit nur mit Reisen verbringen. Deshalb gibt es ein sehr nützliches Schnell-Reise-System. Über die Karte verteilt gibt es immer Stützpunkte, welche, wenn auf der Übersichtskarte ausgewählt, direkt als Reiseziel angegeben werden können. Nach einer kurzen Ladezeit steht Jason dann auch schon an dem, möglicherweise zig Kilometer weit entfernten, Ort.

Diese Stützpunkte sind auch Teil der nächsten Thematik - der Insel-Eroberung. Zu Beginn zeigt die Karte nur für einen kleinen Teil der Welt Details an. Der Rest ist verdeckt. Um die Piraten zurückzudrängen, können nun mehrere Dinge getan werden:
  • Reaktivierung von Sendetürmen: Dies deckt immer jeweils einen neuen Kartenabschnitt auf und schaltet neue Optionen im Shop frei (Gratis Waffen etc.). Stellt ein Kletterrätsel dar, da es bei jedem Turm unterschiedlich schwer ist bis zur Spitze zu kommen.
  • Eroberung von Stützpunkten: Die Piraten halten sehr viele Stützpunkte auf der Insel. Solange einer von ihnen besetzt ist, werden im umliegenden Gebiet sehr viele von ihnen patrouillieren. Durch das Erobern werden Schnellreise-Punkte und Nebenmissionen (Zielpersonen erledigen und spezielle Jagden) freigeschalten.
Vor allem Letzteres stellt die spannendste und am häufigsten zu erledigende Nebenaufgabe dar. Da das Terrain, die Sicherungsanlagen und die anwesenden Piraten jedes Mal stark variieren, ist es auch jedes Mal aufs Neue ein ganze eigene Herausforderung. Hier, wie generell, gibt es eigentlich immer sehr unterschiedliche Arten, wie man die Gegner bekämpfen kann:
  • Lautlos, mit dem Messer und/oder Pfeil und Bogen, ohne entdeckt zu werden. Far Cry 3 ist eines der seltenen Spiele, wo dies tatsächlich gut funktioniert, da das Deckungssystem exzellent ist.
  • Aus der Ferne, mit einem der Scharfschützengewehre.
  • Hinterhältig, durch das Legen von Minen oder Anlocken wilder Tiere.
  • Im Rambo-Stil, mit donnernden Kanonen den Haupteingang stürmend und um sich schießend.
Far Cry 3 hat allerdings auch ein paar Rollenspiel-Elemente. Für erledigte Gegner und Missionen erhält der Spieler Erfahrung. Wenn genügend davon gesammelt wurde, gibt es ein "Level up" und damit einen Fertigkeitspunkt spendiert. Dieser wiederum kann in einem von drei Skill-Bäumen vergeben werden. Verbessert werden können hiermit Waffenfertigkeiten (besseres Zielen etc.), Jagd-Fertigkeiten (effizienteres ausweiden von Tieren etc.) und Schleich-Fertigkeiten. Vor allem letztere sorgen für ein immens gelungenes Dschungelkampf-Feeling á la Rambo.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der so genannte Take-Down-Angriff. Mit selbigem werden Gegner sofort getötet, wenn sie einen nicht bemerken und man nahe genug an sie herankommt (man hält ihnen den Mund zu und schlitzt sie mit einer Machete auf). Mit Verbesserungen ist es später nicht nur möglich, gleich mehrere Feinde nacheinander so auszuschalten, sondern auch spezielle Angriffe durchzuführen. Beispielsweise das Messer des Piraten zu ziehen und dem am nächsten Stehenden in die Brust zu werfen.

Einen Teil der Ausrüstung kann man nicht einfach im Shop kaufen, sondern muss sie selbst herstellen. Hier kommen die verschiedenen Tiere ins Spiel, welche in unterschiedlichen Gebieten der Insel beheimatet sind. Von der Waffen- und Munitionstasche bishin zur Geldbörse, ist alles zu Beginn extrem limitiert (zB kann man nur 1.000 Dollar mit sich tragen). Erst durch das Jagen und Häuten von Tieren, kann nach vorgegebenen Anleitungen Besseres hergestellt werden. Klarerweise werden die dafür nötigen Tiere bei höherwertigen Ausrüstungen auch gefährlicher. Genügt anfangs das Fell einer Ziege, muss man sich später sogar auf die Suche nach einem Menschenfresser-Hai machen.
Mir hat diese Mechanik sehr gut gefallen, da es den Spieler vorantreibt und motiviert, die Insel zu erforschen. Allerdings verlieren die Tiere jegliche Bedeutung, sobald man einmal alles was mit ihren Häuten hergestellt wird, erledigt hat.

Geld spielt, zumindest in den unteren Schwierigkeitsgraden, einer eher untergeordnete Rolle. Plündert man regelmäßig seine Feinde und am Weg liegende Kisten, erreicht man relativ bald das Limit seiner mitführbaren Geldreserve. Sofern man wartet bis neue Waffen durch eroberte Funktürme freigeschalten sind und nicht jeden Waffenaufsatz kauft, den es gibt, hat man als Spieler kaum Ausgaben. Die Einzigen, die regelmäßige Kosten verursachen, sind Munitions- und Schutzpanzer-Aufstockungen.

Zuletzt gibt es auch noch Mini-Spiele, die man nur zum Zeitvertreib und Geld verbraten machen kann. Diese umfassen Poker, Messerwerfen, Zielschießen und Wettrennen. Obwohl diese nett gemacht sind, verbrachte ich selbst nur sehr wenig Zeit damit, da mir die restlichen Möglichkeiten mehr als genügten.

Im Endeffekt bietet das Spiel immens viele Möglichkeiten, welche den Spieler über Stunden hinweg beschäftigen und ihm das Gefühl vermitteln, tatsächlich sichtbare Fortschritte zu erzielen.

Gameplay-Bewertung: 3 von 3 Game-Controller


Grafik

Dieser Punkt ist bei großen Open-World Spielen immer etwas heikel für mich. Einerseits ist der Gesamteindruck in Far Cry 3 fabelhaft. Noch nie habe ich mich besser in die Tropen versetzt gefühlt - die grünen Hügelketten, die unterschiedlichen Strände, das hellblaue Meer und natürlich der omnipräsente, undurchdringliche Dschungel. Andererseits merkt man in der PS 3-Version deutlich, dass die Qualität runtergeschraubt wurde, um ein flüssiges Spielerlebnis zu ermöglichen. Dies ist letztlich auch gut so, lässt aber keine bessere Bewertung zu.

Ein klarer Minuspunkt sind jedoch die 3D-Modelle. Während diese für die wichtigen Charaktere (Dennis, Vaas etc.) sehr detailliert ausgearbeitet sind, gibt es für alle anderen nur eine Handvoll rudimentär angelegte, die immer wieder verwendet werden. Da diese kleine Menge an NPCs entweder kaum beachtet wird oder als Kanonenfutter dient, ist dies auch nicht weiter schlimm. Was allerdings dann doch sehr negativ auffällt - deren Schatten. Dieser ist nämlich "gefälscht", was bedeutet, dass sie nicht aufgrund der gegebenen Lichtverhältnisse entstehen. Stattdessen hat jedes Modell einen vorgefertigten Schatten, welcher quasi dran "geklebt" wurde. Dies mag zwar einfach und genügend sein, sofern der Charakter sich in der passenden Umgebung befindet und nicht bewegt. Wenn einem derselbe dann jedoch am helllichten Tag entgegen kommt und der angeklebte Schatten deutlich sichtbar ist, sieht das mehr als billig aus.

Grafik-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Sound

Obwohl dem Soundtrack wirklich einprägsame Stücke fehlen, so schafft er es trotzdem das tropische Insel-Gefühl mit einer Spur Wahnsinn und Gewalt rüberzubringen. Bewerkstelligt wurde die Komposition von Brian Tyler- er zeichnete auch verantwortlich für den Soundtrack von Iron Man 3, Thor 2, Constantine, Children of DuneAssassins Creed IV und viele andere.


Sound-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Fazit

Far Cry 3 war ein sehr intensives und lange dauerndes Erlebnis. Der Schauplatz Rook-Island bietet eine große Menge an Möglichkeiten, die einen stundenlang beschäftigen. Versteckte Schätze, weite Landschaften, herausfordernde Nebenmissionen, harte Action und verrückte Charaktere... ich denke, für jedes Spielerherz ist hier etwas dabei. Einer der besten Open-World First Person Shooter die ich bisher spielen durfte.

Gesamtbewertung: 9 von 12

Asgarod

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen