Playstation 3 Game-Kritik #14
Erschienen im November 2011, zeichnete auch diesmal das Entwicklerstudio Naughty Dog für die Produktion verantwortlich. Die Bewertungen des Spiels lagen fast einheitlich über 90 Prozent und es konnte mehrere Auszeichnungen einheimsen; darunter die "Best reviewed game 2011". Bereits am Release-Tag konnten weltweit über 3,8 Millionen Exemplare verkauft werden. Ob all diese Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind, soll ein näherer Blick klären.
Story
Nathan ist wieder auf der Suche nach Geheimnissen seines Vorfahren, Sir Francis Drake. Gemeinsam mit Sully nimmt er die Spur einer alten Gegenspielerin auf - Katherine Marlowe. Diese sucht ebenfalls nach demselben Mysterium: Bei seiner Weltumsegelung, gibt Sir Francis für einen bestimmen Bereich, eine Reisezeit von über sechs Monaten an. Da er ein meisterhafter Seemann war, kann diese Angabe jedoch nicht stimmen, da er eigentlich viel schneller hätte sein müssen. Tatsächlich ist dies nur die Tarnung für eine geheime Mission, welche ihm von der Queen persönlich anvertraut wurde. Francis war eigentlich auf einer Expedition nach Arabien, um dort das Atlantis der Wüste - die Stadt Iram zu finden.Auf der Suche nach Hinweisen und der Stadt selbst, kommen sich die beiden Parteien immer wieder in die Quere und bekämpfen sich bis aufs Blut. Derweil ahnt niemand was sich tatsächlich in der sagenumwobenen Stadt verbergen wird...
Ausführung (leichte Spoiler)
Die Handlung war meiner Meinung nach, schon bisher nicht wirklich die Stärke der Uncharted Reihe. Aber was einem hier als Spieler präsentiert wird, artet in ziemliche Lieblosigkeit aus. Der grobe Handlungsrahmen, also die Reise zwischen den verschiedenen Orten rund um den Globus, spinnt sich dabei sogar recht interessant. Jedoch scheitert es dann an den Details.
Beginnen wir mit den Charakteren. Oder eher dem was von ihnen übrig ist. Jeder ist mehr oder weniger nur mehr eine leere Hülle mit einer einzigen Eigenschaft:
- Nathan Drake: Alles wie gehabt. "Indiana Jones" Abziehbild.
- Sully: Immer noch der "Mentor". Beschwert sich nebenbei immer wieder über sein Alter.
- Elena: War sie bisher überraschend abenteuerlustig (ihren Hintergrund als einfach Journalistin bedenkend), ist sie nun das Gegenteil. Sie gibt sich stets beschwichtigend und verurteilt jedes Risiko aufs schärfste.
- Katherine Marlowe: Macht nicht viel außer böse und skrupellos sein. Hasst nebenbei Nathan und Sully.
Nebencharaktere (alte wie neue) werden so sang und klanglos entfernt, wie sie eingeführt wurden. Beispielsweise Cutter (keine Erklärung woher er und Drake sich kennen - werden aber als dicke Kumpels dargestellt; bricht sich später das Bein und scheidet so aus der weiteren Geschichte aus) oder Salim (taucht aus dem Nichts auf, rettet Drake und Sully. Ein Kapitel später verschwindet er in einem Sandsturm und taucht auch bis zum Ende nicht mehr auf . Dort abermals aus dem Nichts um Drake ein weiteres mal zu retten).
Klischees und Plotholes kamen zwar schon bisher regelmäßig vor, in Teil drei erreichen sie allerdings eine derartige Dichte, dass man meinen könnte die Autoren hätten dies mit Absicht getan. So ziemlich alle Klischee aus Abenteuer-/Schatzsucher Geschichten kommen vor:
- Die Tempel/Ruinen und deren Mechanismen sind zwar uralt, gleichzeitig jedoch derart gewaltig, verschwenderisch und kompliziert aufgebaut, dass selbst heutigen Architekten/Ingenieuren die Köpfe rauchen würden.
- Der Held und seine Gruppe sind zwar einfallsreich und clever, dafür jedoch mittellos. Die Gegenspieler haben quasi unendlich Ressourcen zur Verfügung UND sind clever. Sie verlieren dann aber trotzdem irgendwie, entweder aus eigenem Übermut oder Glück des Helden.
- Der Held muss unzählige knifflige und gefährliche Rätsel lösen um an sein Ziel zu kommen. Meist nur, um dann zu einem noch schwierigerem Rätsel vorzustoßen. Aber kaum ist selbiges geschafft oder der Schatz geborgen, taucht aus dem Nichts der Bösewicht auf und nimmt ihm mit Waffengewalt alles weg.
- Neben dem mit Rätseln und tödlichen Fallen gespickten Weg in eine Grab-/Schatzkammer gibt es, sobald der Held dort eingeschlossen wurde, plötzlich einen weiteren Ausgang (der einfach nur gut versteckt war).
- Irgendetwas Übernatürliches oder zumindest so erscheinendes, bewacht den finalen Schatz.
- Der Schatz stellt sich am Ende als etwas komplett anderes heraus.
- Obwohl die ganze Zeit über egoistische Beweggründe den Helden voran treiben, wird er sofort zum Altruisten, als klar wird das es "die Welt zu retten" gilt.
Teilweise widerspricht sich die Handlung sogar mit Dingen aus den vorherigen Teilen. Zum Beispiel: Während in Teil eins und zwei, übernatürliche Dinge durchaus gang und gäbe waren (Geister, Dämonen, Unsterblichkeit etc), drücken hier nun die Charaktere immer wieder abfällig aus, wie unmöglich und abstrus derlei Dinge doch seien.
Prinzipiell hat man das Gefühl, dass einfach alles in diesem Spiel nur dazu dient, möglichst schnell zur nächsten Actionszene oder epischen Momentaufnahme von Drake überzuleiten. Hierbei schien den Designern kein Mittel zu peinlich zu sein. Von Ninja-Betäubungspfeilen (die einfach aus dem Nichts, Charaktere treffen), über Piraten (die einfach mittendrin in der Story auftauchen und mit dem Hauptstrang genau nichts zu tun haben), bis hin zu Gegnern, die nahezu unsterblich sind (aufgrund eines angedeuteten Geheimnisses, welches jedoch nie aufgeklärt wird), ist nichts zu plump.
Eine weitere Schwäche, die leider aus Teil zwei übernommen wurde - Dialoge in fremden Sprachen, haben keine Übersetzung. Ein paar Sätze oder eine Zeit lang, die Leute in anderen Sprache sprechen zu hören ist ja kein Problem. Wenn aber NPCs permanent vor sich hinplappern (mit dem Spieler!!!) und die weitere Handlung sogar davon abhängt was da eigentlich gesagt wird, dann ist das einfach nur nervig und billig.
Story-Bewertung: 0,5 von 3 Game-Controller
Gameplay
In diesem Punkt wird es nun deutlich besser. Die Levels sind sehr weitläufig und kreativ gestaltet. Von verfallenen Schlössern, verlassenen Wüstenstädten, Oasen und Nahost-Häfen, ist die Palette sehr breit gefächert. Es gelingt an dieser Stelle gekonnt die Balance zu finden, zwischen einer guten Spielerführung und einer halboffenen Spielwelt, welche erforscht werden kann. Oft gibt es mehr als einen Weg den man gehen kann, dann wiederum bewegt sich der Verlauf in Form eines Schlauchs.
Etwas das mich auch dieses Mal wieder fasziniert hat (weil man es aufgrund der restlichen Gestaltung des Spieles nicht erahnen würde): Die Rätsel. Denn diese sind verdammt gut angelegt. Während die Mechaniken hierfür (beispielsweise Schalter in einem Raum) zwar simpel anzuwenden sind, ist es gleichzeitig recht knifflig auf die Lösung zu kommen. Selbige muss jedoch nicht rein durch betrachten des Raumes gelüftet werden, sondern das Spiel stellt intelligente und unaufdringliche Hilfestellungen zur Seite. Die erste ist Drakes Notizbuch - Zeichnungen und Kommentare geben Hinweise, wie eine Lösung funktionieren kann. Die zweite ist direkter - je länger man braucht, desto deutlichere Hinweise werden über das User Interface und NPCs gegeben. Das hierdurch vermittelte Feeling schafft es, dass der Spieler sich als Action-Archäologe fühlt - ganz im Stile eines Indiana Jones.
Auch beim nächsten Punkt ziehe ich meinen Hut vor Naughty Dog - Die Jungs und Mädels wissen wie man Actionsequenzen inszeniert. Abgesehen von der hervorragenden Musik, der Kampfgestaltung und Skriptsequenzen, ist am bemerkenswertesten, was dabei im Hintergrund alles in Gang gesetzt wird. Wer sich von Spoilern nicht abschrecken lässt, sollte sich die folgende Flugzeug-Szene ansehen um sich selbst davon zu überzeugen.
Die Mechaniken der Feuergefechte bewegen sich weiterhin auf dem bekannten Niveau und sind sowohl schnell, als auch fließend. Bemängeln muss ich allerdings das Setup gleich mehrerer Kämpfe. Viel zu oft wird man als Spieler in Ausgangssituation geworfen, welche nicht mehr und weniger als unfair sind. Beispielsweise gibt es mehrere Sequenzen, in denen Gegner aus allen Richtungen strömen und schießen. Gleichzeitig ist jedoch nur minimale Deckung vorhanden, welche aber ebenfalls bald aufgegeben werden muss, da Feinde mit schwerer Panzerung und Schild anrücken. Nicht nur einmal habe ich mich mit Müh und Not hinaus gekämpft, nur um anschließend festzustellen, dass wenn ich eine spezielle Abzweigung genommen hätte, eine Scriptsequenz fast alle Gegner eliminiert hätte.
Oftmals gehen Filmsequenzen nathlos in das Spiel über. Beispielsweise wenn man auf einer einstürzenden Brücke läuft und versucht runter zu kommen bevor diese komplett zerfällt. Dies sieht zwar spektakulär aus, artet aber meistens derart aus, dass sich der Spieler nie sicher sein kann ob das was er gerade sieht, von ihm gesteuert wird oder eine gescriptete Szene ist. Mich zumindest nervte das, abgesehen davon dass es mehrmals Drakes Tod bedeutete, da ich nicht schnell genug mitbekam, dass ich eigentlich schon selbst wieder steuern müsste.
Gameplay-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller
Grafik
Eine weitere große Stärke von Naughty Dog. Auch dieses Mal schaffen sie es wieder extrem detailreiche und große Welten auf den Bildschirm zu zaubern. Ich konnte wieder nur staunen wie beeindruckend die verschiedenen Schauplätze waren. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Darstellung der Wüste (speziell die Sand-Physik).
Grafik-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller
Sound
Der Soundtrack vermittelt sehr gut das Gefühl von Abenteuer, Freiheit und Action. In den späteren Abschnitten (in der Wüste) mischt sich auch noch ein Nahöstlicher Touch hinzu. Besonders episch und gut getroffen, hat sich Nates Thema weiter entwickelt und steht repräsentabel für die ganze Reihe:
Sound-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller
Fazit
Als Gesamtwerk betrachtet, ist Uncharted 3 ein recht liebloser Aufguss des altbekannten Rezepts, ohne nennenswerte Verbesserungen. Aufgezogen wie ein Hollywood Blockbuster, kann es schon wie seine Vorgänger, zwar die bisherigen Stärken ausspielen (Action, Grafik), kränkelt jedoch auch an denselben Schwächen (Langweilige Charaktere und hohle Story).
Obwohl die Action und das Gameplay fast durchwegs gut sind, ist es mir ein Rätsel wie das Spiel abseits davon, derart hohe Bewertungen und Awards bekommen konnte - vor allem Auszeichnung für die Story (!) und - die Bewertung von Marlowe unter die Top 10 weiblichen Bösewichte (!!!) - ist mir unbegreiflich.
Fans der Reihe werden wohl auch weiterhin auf ihre Kosten kommen und viel Spaß mit dem rasanten Actionspiel haben. Alle anderen, die auch abseits davon etwas interessantes suchen, werden mit einer Enttäuschung rechnen müssen.
Gesamtbewertung: 6,5 von 12 Game-Controller
Asgarod
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen