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Donnerstag, 14. November 2013

Assassins Creed III

Playstation 3 Game-Kritik #11

Erschienen im Oktober 2012, war dieses Spiel das fünfte der Reihe und zugleich auch der dritte Haupttitel. Neben der Playstation 3, erschien das Action-Adventure auch für die Xbox 360, den PC und die WiiU. Wieder beauftragte Ubisoft sein Entwicklerstudio in Montreal (+ kleinere in anderen Ländern) mit der Umsetzung des Titels. Es gab mehrere unterschiedliche Verkaufsversionen, die alle verschiedene Boni für den Käufer boten - Spezielle Ingame-Gegenstände, Statuen und so weiter. Zudem erreichte das Franchise spätestens mit diesem Titel eine Allgemeine Bekanntheit. Umfangreiche Werbemaßnahmen und ein breites Angebot an Merchandising-Artikeln (Alltagskleidung, Kostüme, Actionfiguren, Kaffeetassen etc) sorgten dafür, dass auch Personen, die eigentlich keine Spieler sind, mit Assassins Creed in Kontakt kamen. Doch was steckt hinter diesem Hype, der den Konflikt zwischen Assassinen und Templern plötzlich so interessant macht? Und ist er auch für die "echten" Spieler gerechtfertigt? Wir wollen uns dies nun im Detail ansehen.



Story

Wie auch in den bisherigen Titeln, ist die Geschichte gespalten in einen historischen Teil, welcher im Animus nacherlebt wird; und einen in der heutigen Zeit, welcher den großen, groben Handlungsrahmen beinhaltet. In der Moderne folgen wir Desmond Miles (nachdem er in Revelations seinen Geist wieder aus dem Animus befreien konnte), dessen Vater und zwei weiteren Assassinen, zu einer Höhle in der Wildnis Nordamerikas. Dort finden sie (wie schon bisher unter der Anleitung der mysteriösen Ersten Zivilisation) einen Tempel, mit dem es möglich sein soll, die drohende Katastrophe durch die Sonne aufzuhalten. Der Schlüssel hierzu liegt wieder in der Vergangenheit und bei einem von Desmonds Vorfahren, weshalb dieser wieder in den Animus steigt. 
Der besagte Vorfahre ist Connor Haytham, ein Halbblutindianer vom Stamm der Mohawk; und natürlich Assassine. Dieser lebte in der Kolonialzeit Nordamerikas, während der wichtige Teil seines Lebens zur Zeit der Amerikanischen Revolution stattfand. Dort kämpfte er nicht nur gegen die Templer (welche in diesem Kampf die britische Krone unterstützten), sondern vor allem für die Sicherheit seines Volkes. Connor muss viele Intrigen aufdecken und einen harten Kampf für die Unterstützung der Kolonisten führen, während Desmond in alldem fieberhaft nach dem wichtigen Hinweis sucht, der die Welt retten könnte.

Ausführung
Zunächst einmal: ENDLICH kein Spiel mehr mit Ezio Auditore. Sein Debüt in Assassins Creed II zählte zwar bisher zum für mich besten Teil der Reihe, doch es kann auch zuviel des Guten sein. Nach zwei weiteren Spielen mit ihm als Hauptcharakter (warum überhaupt?!) reichte es mir einfach. Während ich die Brotherhood-Fortsetzung noch sinnvoll fand, war Revelations nur noch ein reines Recycling und unnötiges in die Länge ziehen. Zudem konnte ich keine halb italienischen Sätze und Macho-Sprüche mehr hören.

Aber nun zu unserem neuen Helden. Connor ist erfrischend und gänzlich anders als Ezio oder Altair. Während auch bei ihm die Rache ein Teil seine Motivation ist, so steht doch merklich der altruistische Gedanke im Vordergrund. Zudem schafft es die Handlung besser als bisher, dem Spieler die Gedanken und Beweggründe des Protagonisten näherzubringen. Dies hebt diesen Punkt für mich wohl am stärksten positiv hervor.

Die eigentliche Story ist recht geradlinig, ohne 180 Grad Twists der Charaktere. Bemerkenswert fand ich jedoch die wieder einmal sehr gute Einflechtung der Geschichte in die tatsächlichen historischen Ereignisse. Als Europäer kann man mit den vorkommenden Persönlichkeiten aus der Amerikanischen Geschichte wohl eher weniger anfangen. Die Begegnungen mit selbigen, war jedoch entweder spannend genug aufgebaut oder so beiläufig, dass es auch schon wieder egal war.

Leider liegt die Handlung rund um Desmond in der Realität, wieder sehr weit abgeschlagen hinten. Obwohl Teil drei nun den wohl größten Anteil an einem Assassins Creed hatte (verglichen mit den anderen), so half dies nicht viel. Als Spieler beschleicht einen unweigerlich das Gefühl, dass für diesen Aspekt die geringste Mühe aufgewendet wurde. Die Logik-Löcher in der Argumentation mancher Charaktere und die Entwicklung der Ereignisse, stellt einem die Haare zu Berge.

Ein Beispiel (Achtung - milder Spoiler):
Über nun fünf Spiele hinweg, hörten wir immer wieder wie extrem gefährlich und mächtig die Templer doch seien. Mit praktisch unendlich viel Geld und Macht ausgestattet, haben sie überall ihre Handlanger sitzen. Sie überwachen die ganze Welt, sodass die Assassinen sogar ihren Wagen verstecken müssen, da er ja sonst von Satelliten entdeckt werden könnte. Aber was tut unser Grüppchen, als ein wichtiges Artefakt in Brasilien auftaucht? Sie reisen einfach per Linienflug dorthin, obwohl Flugreisen die wohl am besten überwachte Reisemöglichkeit sind!

Noch unlogischer wird es, als ein Assassine in einem Templer-Hauptquartier gefangen gehalten wird und Desmond anrückt um ihn zu befreien. Nun könnte man vermuten, dass er versucht über verschlungene Pfade in das Gebäude zu gelangen und ungesehen wieder zu verschwinden. Naja, eben so wie es der typische Assassine eben machen würde, ganz zu schweigen von der Situation ausgehend, dass man es mit einem so mächtigen Gegner zu tun hat. Aber was tut Desmond? Er spaziert seelenruhig mitten in die Lobby und versucht nicht einmal dort sich unauffällig zu verhalten, sondern greift direkt die erstbeste Wache an, die sich ihm in den Weg stellt...

Und das Ende... Als Spieler war man ja bereits von den bisherigen Assassins Creed-Teilen gewohnt, dass die Handlung in einem Cliffhanger endet. Aber was sich Ubisoft hier mit diesem Ende geleistet hat, ist ohne Worte.

Story-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Gameplay

Fangen wir mit demselben Teilaspekt an, wie auch das Spiel: Dem Tutorial. Wie bereits in den anderen Teilen der Spielreihe, ist dieses kein gesonderter Bereich und muss von jedem Spieler durchlaufen werden. Hierbei werden einem nach und nach sämtliche Mechaniken gezeigt und gleichzeitig die Zeit genutzt, um langsam die Handlung aufzubauen. An und für sich fand ich dies auch gut inszeniert. Das Problem: Wenn man als langjähriger Fan bereits alle Vorgänger gespielt hat, kommt einem das Tutorial ewig und zwei Tage vor. Auch was den Handlungsaufbau betrifft. Um jetzt nicht zuviel zu verraten sei nur gesagt: Nach den ersten zwei Stunden, begann ich mich langsam zu fragen, ob ich tatsächlich das chronologisch richtige Spiel gekauft hatte.

Auch dieses Mal gibt es eine Basis, einen Rückzugsort der Assassinen, welcher im Spielverlauf ausgebaut werden kann und sollte. Allerdings fiel dieser Bereich der Komplizierung zum Opfer. Anstatt einfach Geld zu investieren und so Geschäfte zu errichten, beziehungsweise auszubauen, kann man ganz alleine erst einmal gar nichts ausrichten. In speziellen "Siedlungsmissionen" müssen nach und nach Leute rekrutiert werden, welche unterschiedliche Aufgaben übernehmen, beispielsweise Bauern, Bergknappen, Tischler etc. Diese erzeugen dann Rohstoffe (Holz, Gemüse, Erz und so weiter) oder können diese verarbeiten (zu hochwertigeren Erzeugnissen wie Fässern, Speisen, Bier, ...). Beides kann anschließend mit einem Konvoi zu einem Händler in den Städten geschickt und so Profit erwirtschaftet werden. Allerdings kostet jeder einzelne dieser Schritte Geld (Einkauf, Verarbeitung, Vertrieb) und der Erlös ist zu Beginn mehr als mager. Zu allem Überfluss können die Konvois auch jederzeit überfallen werden. Ist der Spieler dann nicht schnell zur Stelle, ist alles eingesetzte Kapital verloren.
Wenn man sich eine Weile mit diesem System beschäftigt, kann es durchaus interessant und ertragreich werden. Allerdings braucht es dazu viel Zeit, Geld und Zusatzmissionen. Glücklicherweise ist der Spieler keineswegs hiervon abhängig um Geld zu verdienen, was uns zum nächsten Punkt bringt.

Die Jagd. Ist man im Grenzland (Bereich zwischen den Städten) unterwegs, können allerhand unterschiedliche Tiere angetroffen werden. Jedes einzelne davon kann erlegt und ausgeweidet werden. Je nachdem wie das geschieht und welches Tier gejagt wird, fallen bessere und weniger/mehr Beute ab. Ein Bär, der mit einer einfachen Klinge erlegt wurde, ergibt weit bessere Qualität als ein von Musketenkugeln Durchlöcherter. Das Spiel bietet allerlei Hilfestellung (Hinweise auf bestimmte Tiere, Fallen stellen etc), die aber im normalen Spielfluss kaum benötigt werden. Auf meinen Reisen erlegte ich einfach jedes Tier, welches mir zufällig über den Weg lief und kam damit mehr als gut aus. Denn die so gewonnene Beute (Fell, Zähne, Geweih und so weiter) kann teuer verkauft werden und stellte für mich die Haupteinnahmequelle dar.

Allerdings ist Geld dieses Mal nur eingeschränkt nötig. Die zu kaufenden Waffen neigen selten dazu einen Kampfstil zu stark werden zu lassen und "Superwaffen", die in allem gut sind, gibt es genauso wenig. Zudem ist die anfängliche Bewaffnung (vor allem der Tomahawk) vollkommen ausreichend für alle Kämpfe. Pferde stehen jederzeit zur Verfügung und die Bestechungsgelder für die altbekannten Marktschreier (welche die Bekanntheit verringern können), sind nicht der Rede wert.

Damit wären wir auch schon bei einem Kritikpunkt. Hält man sich länger in einer Stadt auf, um beispielsweise Missionen zu erledigen, wird unweigerlich der Bekanntheitsgrad steigen. Dies scheint nicht so schlimm. Schnell die Verfolger abhängen, verstecken und auf die eine oder andere Weise den Bekanntheitsgrad reduzieren (Steckbriefe entfernen, Marktschreier bestechen, Druckerei bestechen). Hier fangen allerdings die Probleme an:
  • Steckbriefe können zwar wie gehabt abgerissen werden, scheinen aber nicht mehr auf der Übersichtskarte auf. Somit ist es reines Glück an einem solchen vorbeizukommen.
  • Marktschreier stehen an fast jeder Ecke und werden auch auf der Karte angezeigt. Allerdings stehen praktisch immer direkt daneben auch Soldaten. Und in einem Kampf oder während einer Verfolgung, kann nicht bestochen werden. Somit ist es unmöglich die Schreier zu erreichen, ohne sich noch einmal Gegnern erwehren zu müssen.
  • Druckereien haben dasselbe Problem.
Generell gibt es in den Städten wirklich SEHR viele Soldaten. An jeder Ecke und jeder Gasse stehen Gruppen aus zwei bis vier Gegnern und jede größere Straße wird regelmäßig von einem ganzen Trupp (um die zehn) patrouilliert. Hierdurch artet so ziemlich jeder offene Konflikt schnell in eine Massenschlacht aus.

Dies ist auch gleich der nächste Punkt: Das Kampfsystem. Der Trend der Vorgängerspiele, selbiges flüssiger und einfacher zu gestalten, setzt sich auch dieses Mal fort. Im Prinzip gibt es nur noch einen Angriff und Konter. Normale Gegner trifft man immer mit dem normalen Angriff, muss jedoch gleichzeitig die anderen im Auge behalten. Ein Symbol zeigt nämlich an, wenn diese Angreifen und dann gilt es rechtzeitig zu kontern. Bei entsprechender Schnelligkeit kann ein Gegenangriff erfolgen, welcher sofort tötet. Ab dann kann fast jeder weitere Gegner durch Kombo-Kills erledigt werden (solange Gekontert wird, tötet jeder weitere Angriff sofort). Allerdings gibt es auch Soldaten, gegen die weder ein Konter noch eine Kombo hilft. Letztlich kann der Spieler hier nur hoffen, sie erschießen zu können oder weitere Assassinen zu rufen.

Der vielleicht schwächste Punkt des Spieles, sind die regelmäßig auftretenden Glitches. Pferde reagieren empfindlich auf Unebenheiten und bleiben schon beim kleinsten Stein im Boden hängen, was sie vollkommen Unbrauchbar in der Wildnis macht. Waffen ragen aus der Bekleidung von Charakteren, manche NPCs sind mir gleich in dreifacher Ausführung begegnet und einmal befand ich mich nach einer Schnell-Reise mitten in einem Hügel. Die Häufigkeit dieser Probleme ist zwar niedrig genug, um einen flüssigen Spielfluss zu ermöglichen, gleichzeitig aber häufig genug um zu nerven.

Als letzten Punkt sollte noch ein neues Feature erwähnt werden: Die Schiffs-Missionen. Zusätzlich zum Hauptquartier, besitzt man als Spieler nun auch sein eigenes, Hochsee-taugliches Schiff. Mit diesem können spezielle Maritime-Missionen absolviert werden. Beispielsweise die Verfolgung eines feindlichen Kriegsschiffes, beschützen eines Handelsschiffes, Sicherung einer Reiseroute, Angriff auf ein Fort etc. Das Besondere ist hierbei die Umsetzung. Die Kamera sitzt direkt hinter dem Spieler, welcher mit dem Steuerrad das Schiff lenkt, Geschwindigkeit festlegt und Feuerbefehle gibt. Von diesem Punkt aus können Schwenks von bis zu 180 Grad durchgeführt werden. Was sich kompliziert anhört, läuft schon nach kurzer sehr gut von der Hand, macht eine Menge Spaß und ist auch verdammt gut inszeniert. Hierzu ein kurzes Gameplay-Video:


Gameplay-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Grafik

Die dargestellte Wildnis und die Kolonialen Städte (Boston und New York) sind solide und detailreich dargestellt. Man merkt jedoch, dass die verwendete Grafik-Engine bereits Staub angesetzt hat. Diese wurde zwar immer weiter entwickelt und verbessert, im Grunde wird hier aber immer noch mit der Technik aus Assassins Creed 1 (aus dem Jahr 2007!) gearbeitet. Meiner Vermutung nach, sind hierfür vor allem die kurzen Entwicklungszyklen mitverantwortlich. Ubisoft ließ ja verlautbaren, jedes Jahr einen neuen Titel in der Reihe zu veröffentlichen (tatsächlich ist ja mittlerweile bereits Teil vier auf dem Markt). Ja, Ubisoft ist ein großes Unternehmen; und ja es arbeitet nicht immer das komplett selbe Team nacheinander an den Spielen (sondern teilweise parallel). ABER dass bei einem jährlichen Entwicklungszyklus, kaum viel Zeit bleiben kann um eine komplett neue Grafik-Engine zu entwickeln, sollte auch einleuchten.

Trotzdem war ich wieder überwältigt von der schieren Größe der Spielwelt. Alleine schon die Aufgabe die Wälder so aufzubauen, dass tatsächlich weite Strecken lediglich durch Kletterei in den Bäumen zurückgelegt werden kann, ist beeindruckend.

Grafik-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Sound

Zu bemängeln ist die Lautstärke der Dialoge. In der Wildnis oder der Stadt sind die Gespräche noch halbwegs gut verständlich. Jedoch in den Hauptmissionen, wo es oft sehr turbulent ist (beispielsweise mitten in einer Schlacht), kann man kaum ein Wort von dem verstehen, was die Personen einem mitteilen. Dies ist vor allem deshalb ärgerlich, weil hierbei nicht selten wichtige Informationen für die nächste Aufgabe vorkommen. Es ist natürlich möglich Untertitel einzuschalten; bei deutschsprachigen Dialogen kommt man sich als Spieler jedoch ein wenig lächerlich vor dann auch noch Text in derselben Sprache anzeigen zu lassen.

Brillant ist dagegen die eigentliche Musik. Der grundlegende Stil aus den Vorgängern wurde beibehalten; jedoch erweitert um mehrere feine Nuancen. Besonders hervorzuheben, ist der indianische Einfluss in vielen der Tracks. Dieser verleiht dem gesamten Soundtrack einen ganz eigenen Charakter. Als Beispiel das epische Hauptthema:


Sound-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Fazit

Assassins Creed III lässt mich mit einer leicht gespaltenen Meinung zurück. Es gibt Dinge, die mich doch sehr gestört haben (Missionen und Story-Logik in der Realität, mehrere oft auftretende Glitches). Andererseits habe ich es sehr begrüßt, dass in vielen Bereichen ein neuer Wind weht und bisherige altbekannte Features nicht wieder einmal zwangsweise mitgeschleppt (Akrobatik-Dungeons etc), sondern komplett neue Dinge hinzugefügt wurden (Maritime Missionen). Ich denke, fast alle Neuerungen sitzen an den richtigen Stellen und geben dem Spiel einen frischen Look.

Letztlich überwiegen für mich die positiven Dinge und nach mehr als 20 Stunden Spielzeit, wurde Connors Geschichte sogar zu meinem neuen Favoriten in dieser bemerkenswerten Spielreihe. Somit gebe ich mit gutem Gewissen eine klare Kaufempfehlung ab.

Gesamtbewertung: 8 von 12 Game-Controller

Asgarod

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