Playstation 3 Game-Kritik #10
Das Spiel erschien im Mai 2010 und wurde von Rockstar Games entwickelt. Es führt die Entwicklung von GTA (Grand Theft Auto) und Red Dead Revolver (dem spirituellen Vorgänger) weiter und hat sich bis heute über 12,5 Mio. mal verkauft. Das Sandkastensystem von GTA, kombiniert mit einem Western-Setting, war eine ganz neue Zusammenstellung und wirkte vielversprechend. Doch das wollen wir uns nun im Detail ansehen.
Story
Die Handlung beginnt 1911, im fiktiven US-Bundesstaat New Austin. Der "Wilde Westen" ist noch immer präsent, beginnt aber bereits seit längerem zu verschwinden. Lokomotiven, Pferde und Revolver werden zwar noch vom Großteil der Bevölkerung benutzt, gleichzeitig treten jedoch Automobile, Verstädterung und moderne Waffen immer stärker auf.
Der ehemalige Outlaw, John Marston, kommt per Zug in der Ortschaft Armadillo an und lässt sich zu einem ehemaligen Fort bringen. Dort hat sich eine Bande von Banditen eingenistet, deren Anführer früher gemeinsam mit Marston in einer anderen Bande ritt. Nach einem kurzen Streitgespräch wird John niedergeschossen und liegen gelassen. Ein paar Tage später, wacht er auf der McFarlane-Ranch auf. Bonnie McFarlane hat ihn aufgelesen und gesund gepflegt. Während John auf der Ranch hilft um seine Schuld zu begleichen, freundet er sich mit ihr an und erzählt seine Beweggründe:
Er war früher ein berüchtigter Verbrecher, welcher zwar einem gewissen Ehrenkodex folgte (nur Reiche zu bestehlen, nicht sinnlose Gewalt anzuwenden etc.) aber nichtsdestotrotz mordete, stahl und erpresste. Nachdem der Rest der Bande jedoch immer brutaler wurde und ihn nach einem Überfall verwundet zum Sterben zurückließ, entsagte Marston diesem Leben. Er heiratete die Prostituierte der Bande (seine jetzige Frau Abigail),bekam mit ihr einen Sohn (Jack) und kaufte eine Farm. Doch vor kurzem sind Agenten einer neuen Verbrechensbekämpfungsbehörde aufgetaucht und haben seine Familie entführt. Deren Boss, Edgar Ross, kennt Johns Vergangenheit und verlangt nun, dass er seine ehemaligen Freunde jagt und zur Strecke bringt, da seiner Familie sonst etwas passiert.
Die Jagd beginnt und fordert viele schwere Entscheidungen von Marston. Es gilt, zwielichtige Personen als Verbündete zu gewinnen, den gesamten Bundesstaat und sogar Mexiko zu durchforsten, sowie eine Menge Männer zu töten. Doch selbst wenn es ihm gelingt, bleibt mehr als Ungewiss, ob die Entführer ihr Wort halten ...
Ausführung
Der Beginn der Story ist zwar nichts absolut Neues (vor allem Western-Fans wird etwas Ähnliches sicher schon mal untergekommen sein), aber dennoch schon eine gute Grundvoraussetzung. Was sich die Entwickler allerdings im Laufe des Spieles alles einfallen haben lassen, hat mich mehr als verblüfft. Mehrmals haben sie es geschafft, dass ich mit offenem Mund dasaß und völlig überrascht eine Story-Wendung mit ansah. Generell ist anzumerken, dass die Handlung einen wesentlich größeren Schwerpunkt einnimmt, als dies beispielsweise in GTA der Fall ist.
Besonders erwähnenswert ist auch die Zentrierung auf den Protagonisten John Marston. Am Anfang hat man als Spieler natürlich noch überhaupt keine Verbindung mit ihm. Wer er ist und was seine Beweggründe sind, ist während den ersten trivialen Missionen noch Nebensache. Während der Spieler jedoch den ehemaligen Bandenkollegen immer näher kommt und immer mehr Details seines Lebens bekannt werden, beginnt man fast unbemerkt, auch immer mehr Sympathie für ihn zu empfinden. Während John zu Beginn nur eine leere Schablone für mich war (die nur dazu diente, mir die Möglichkeit zu geben durchs Spiel zu gehen), konnte ich mich später immer besser mit ihm identifizieren und seine Taten und Beweggründe nachvollziehen. Gegen Ende des Spieles nehmen die Missionen an Waghalsigkeit zu, ebenso Marstons Verzweiflung und Angst um seine Familie. Doch nachdem der letzte alte Freund beseitigt ist, macht Red Dead Redemption etwas, womit ich nicht gerechnet hätte und das ich so auch nie wo anders gesehen habe. Nur so viel: Mich persönlich hat es tief beeindruckt und ich finde, alleine für dieses Ende, ist es wert bis zum Schluss durchzuhalten ;-)
Ein Markenzeichen von Red Dead Redemption sind mit Sicherheit, die vielen skurrilen Charaktere, welche man im Laufe der Handlung trifft. Hierbei kommt unter anderem alles vor, was ein Western so braucht:
Misstrauische Sheriffs, Säufer, Spieler, Betrüger, Wundermittelverkäufer, Mexikaner, Prediger und viele mehr. Viele davon sind wichtige Charaktere, von denen man Missionen annimmt und die später selbst behilflich sind. Nicht selten zeigt Marston mehr als deutlich wie angewidert und entnervt er von ihnen ist, aber letztlich keine andere Wahl hat als die Zusammenarbeit. Ein Geheimtipp sind hierbei die oftmals vorkommenden, automatischen Fahrten mit den anderen Charakteren (wenn dieser beispielsweise mit der Kutsche fährt und John als Beifahrer daneben sitzt). Diese können zwar übersprungen werden; hierdurch beraubt man sich allerdings teils genialer und überraschend tiefsinniger Dialoge. Dies gilt generell für alle Gespräche im Spiel. Die Charaktere unterhalten sich über die unterschiedlichsten Dinge - politische Situation, Rassismus, Waffenentwicklung, Gott und Glaube, Moral, Gerechtigkeit und vieles mehr. Im weiteren, ein kleiner Ausschnitt aus der "Best Writing/Dialogue" Nominierung von GameSpot:
Dies führt mich auch schon zum letzten Punkt: das Setting. Der gewählte Handlungszeitraum im Jahr 1911, bietet ein überraschend interessantes Spektrum. Einerseits existiert der "Wilde Westen" noch, mit allem was dazugehört: Postkutschen, Cowboys, staubige Prärien und Holzstädte, Saloons, Revolver, Duelle, Pferde und Lokomotiven als Haupt-Fortbewegungsmittel. Andererseits tauchen auch immer mehr moderne Dinge auf: Große Städte (mit gepflasterten Straßen, Nobelrestaurants, "normaler" Polizei anstatt Sheriffs), Automobile, semi- und vollautomatische Waffen etc. Diese Zwischenzeit, voller Gegensprüche, wurde sehr authentisch umgesetzt. In Saloons spielt immer jemand auf dem Laierkasten-Klavier, Betrunkene torkeln herum und leichte Mädchen becircen einen sofort. Die Gemischtwarenläden verkaufen Pferdepillen, Schlangenöl und Wundermittelchen. Diese und viele weitere Dinge, schaffen es von Anfang an dieses Western-Gefühl zu vermitteln. Wie beispielsweise ein Tag im Saloon enden kann, sieht man hier:
Story-Bewertung: 3 von 3 Game-Controller
Gameplay
Wie das Setting des "Wilden Westens" bereits vermuten lässt, sind Schießereien und Feuergefechte ein essentieller Bestandteil des Spieles. Ausgerüstet mit Handfeuerwaffen (Pistolen, Revolver, Uzis), Gewehren (Repetier- als auch Einzelschuss-Varianten), Schrotflinten, Scharfschützengewehren, Lasso und Messer, ist man jeder Herausforderung gewachsen. Benötigt werden zwei Buttons - einer um zu zielen, ein weiterer für den tatsächlichen Schuss. Ein interessantes Feature steht dem Spieler hierbei in Form des DeadEye zur Verfügung. Wird diese Spezialfähigkeit aktiviert, gibt es einen Wechsel in die Zeitlupe, in der es möglich ist, alle verfügbaren Schüsse der aktuellen Waffe genau zu platzieren. Danach werden diese alle auf einmal abgegeben, wodurch ein oder mehrere Gegner problemlos ausgeschaltet werden können. Dies kommt auch bei Duellen zum Einsatz und gibt den legendären Shootouts ein spielerisch-realistisches Gefühl. Weiters erwähnenswert ist das gut gestaltete Deckungssystem; in Deckung rutschen, zur nächsten zu springen, daraus zu schießen etc ist unkompliziert möglich.
In Red Dead Redemption gibt es zwei unterschiedliche Gradmesser, welche bestimmen wie der Spieler von NPCs wahrgenommen und behandelt wird. Zum einem die Ehre. Sie wird bestimmt aufgrund der moralischen Entscheidungen (zB ob man Verbrechen begeht, immer tötet etc.). Je höher die Ehre, desto mehr wird man in den Ortschaften respektiert. Die NPCs sind erfreut einen zu sehen und geben Rabatte in den Geschäften. Je niedriger die Ehre, desto mehr Angst verbreitet man und desto respektierter ist man gegenüber den Banditen. Der zweite Gradmesser ist der Ruhm. Diesen erhält der Spieler durch den Abschluss von Missionen und generell großen Taten (zB wenn ein Duell gewonnen wird). Auch Ruhm alleine senkt die Geschäftspreise.
Zusätzlich zu den eigentlichen Missionen, gibt es auch spezielle Herausforderungen, welche aus mehreren Stufen bestehen:
- Überlebenskünstler: Suchen und Sammeln von Pflanzen
- Jäger: Jagd auf Tiere und deren Ausbeute
- Schatzsucher: Finden von Schatzkarten und deren Auswertung
- Scharfschütze: Unterschiedliche Herausforderungen mit Schusswaffen
Prinzipiell kann zwischen Haupt- und Nebenmissionen, sowie Jobs und Zufallsereignissen unterschieden werden:
- Hauptmissionen werden der Reihe nach, pro NPC freigeschalten und treiben die Handlung voran.
- Nebenmissionen sind zufällig antreffbare Personen in der Ganzen Welt. Hierbei kann man es mit den unterschiedlichsten Dingen zu tun bekommen und oftmals freie Entscheidungen treffen (Verwundeten Medizin bringen, Prediger warnen, Blumen für eine alte Frau pflücken, etc).
- Jobs sind immer wieder durchführbare Tätigkeiten in den Ortschaften, um sich Geld zu verdienen - Nachtwache schieben (und dabei Diebe fangen etc), Pferde zureiten, Kopfgeld verdienen und viele andere.
- Zufallsereignisse zuletzt, können immer und jederzeit passieren. Dabei kann man zu einem Überfall hinzukommen, gestohlene Pferde zurückholen, bedrohte Frauen retten, Duelle austragen und so weiter.
So kommen wir auch schon zu einem wichtigen Punkt in Red Dead Redemption: Dem lieben Geld. Selbiges wird verdient durch den Abschluss von Missionen (jeder Art), Plünderung von Leichen und dem Verkauf von Pflanzen, Fellen und so weiter. Man könnte nun denken, dass Geld selbstverständlich wichtig ist. Allerdings ist dies sehr relativ zu sehen: Einerseits kann man sein hart Verdientes auf unterschiedlichste Arten ausgeben. Andererseits sind nur sehr wenige davon wirklich spielentscheidend:
- Immobilien: Durch den Erwerb zusätzlicher Häuser, erhält der Spieler einen fixen Speicherpunkt, an dem zusätzlich das Outfit gewechselt und Munition kostenfrei aufgefüllt werden kann. Allerdings ist all dies auch jederzeit in der Wildnis mit dem eigenen "Lager" aus dem Inventar möglich. Trotzdem sind Immobilien hilfreich in den größeren Ortschaften, um nahe bei den Geschäften und Missionen zu sein.
- Waffen: Circa 80 % der Waffen werden völlig kostenlos, im Verlauf von Missionen dem Spieler gegeben. Ein paar seltene und natürlich starke Waffen, können jedoch nur mit Geld gekauft werden.
- Munition: Erscheint wichtig, ist jedoch in Hülle und Fülle bei toten Gegnern aufzulesen beziehungsweise gratis an Speicherpunkten aufzufüllen.
- Glücksbringer: Geben diverse Boni, welche nicht genau in Zahlen angegeben sind. Beispielsweise eine Hasenpfote, mit welcher der Spieler mehr Munition und Geld bei Leichen findet.
Sound
Die Musikstücke sind stets mit den aus Filmen typischen Mundharmonika- und Pfeif-Klängen unterlegt. Es wurden aber auch Experimente mit modernen Instrumenten gewagt, was zu durchaus interessanten Resultaten geführt hat. Von Spannung aufbauenden Tracks vor einem Duell, bis zu Action-geladenen Beats, während einer Kutschen-Verfolgungsjagd, ist alles vertreten und passend inszeniert. Im folgenden als Beispiel, die Main-Theme:
Sound-Bewertung: 2,5 von 3 Game-Controller
Grafik
Das Alter von drei Jahren berücksichtigend, ist die Grafik immer noch beeindruckend. Man könnte nun behaupten, dass es in der Prärie ja nicht viel darzustellen gibt; doch dies täuscht. Und selbst wenn, bietet Red Dead Redemption noch viel mehr. Von den verstaubten Gegenden der Prärie und ländlichen Ortschaften, über verschneite Wälder und erste richtige Städte, gibt es eine Menge zu sehen. Besonders hervorzuheben ist der Detailgrad mit dem die Personen modelliert wurden - sei es der Patronengurt, die Adlerfeder an der Hutkrempe oder auch nur die Zigarette im Mundwinkel.
Grafik-Bewertung: 2,5 von 3 Game-Controller
Fazit
Die Kombination aus dem GTA-Prinzip und dem Wild-West Style, ergibt ein äußerst interessantes Spiel. Im Gegensatz zur Großstadt und Auto-Version, wurde wesentlich mehr Sorgfalt in die Story und deren Entwicklung gesteckt. Selbst wenn man normalerweise kein allzu großer Fan des Westerns ist, so ist Red Dead Redemption meiner Meinung nach trotzdem einen Blick wert. Somit kann ich eine klare Empfehlung für das Spiel abgeben. Mein persönlicher Überraschungshit 2013.
Gesamtbewertung: 10,5 von 12 Game-Controller
Asgarod
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