Man verfolgt gespannt die Story eines Spiels, kämpft sich durch Gegner, löst Rätsel um Rätsel, schlägt Schlacht um Schlacht und plötzlich passiert es:
Erwartet oder nicht, ein NPC-Kamerad opfert sich für den Spieler/die Gruppe, damit dieser/diese den Feind besiegen oder den Weg fortsetzen kann.
Wenn die emotionale Verflechtung mit den Charakteren im Laufe des Spieles funktioniert hat, werden diese Momente einem ewig in Erinnerung bleiben. Aber nur wenige Titel schaffen diese besonderen Momente und im Folgenden möchte ich diejenigen vorstellen, welche in meiner eigenen Gaming-Laufbahn die tiefsten Eindrücke hinterlassen haben.
Achtung: Auf Grund der Thematik in diesem Special sind Spoiler ein fixer Bestandteil!
Gears of War 3
Gears of War... für viele die Inkarnation des reinen Third-Person-Shooters schlechthin. Muskulöse Kerle, markige Sprüche und Gefluche, ein Kampf nach dem anderen und eine eher platte Storyline. All diese Dinge tun dem Spielspaß und dem Erfolg natürlich keinen Abbruch, zählt das Franchise doch zu den erfolgreichsten der Xbox 360. Umso überraschender traf einen als Spieler bereits die Todesszene mit Dom's Frau im zweiten Teil der Serie.
Doch die Fortsetzung setzt dem Ganzen noch eins drauf:
Nachdem Dom seine Frau nicht retten und ihr stattdessen nur noch den Gnadentod gewähren konnte, ist die einzig verbleibende Konstante in seinem Leben die Freundschaft zu Marcus Fenix. Würde diese nicht existieren, hätte er wahrscheinlich den Freitod gewählt, und das wird im Laufe des Spieles immer wieder verdeutlicht. Als die Gruppe auf der Suche nach Treibstoff in einer Raffinerie-Stadt in ein auswegloses Feuergefecht gerät und eingepfercht zwischen Leuchtenden und Locust wird, weder vor noch zurück kann, trifft Dom eine Entscheidung. Er nimmt den LKW des Imulsions-Transportes und rast damit in den Tank und die angrenzende Pipeline. Dies bewirkt eine Kettenreaktion an Explosionen und einen Feuerwalze, welche alle Feinde und ihn selbst tötet.
Die ungewöhnliche musikalische Untermalung (eine leichte Abwandlung von Gary Jules "Mad World"), die Mimik auf den Gesichtern von Marcus und Dom, sowie die Bildsprache, verleihen dieser Szene immens viel Gefühl. Selbst Leute, welche nie mit Gears of War zu tun hatten, bekommen vermittelt, welche Bedeutung dies hat.
Zu sehen, wie Dom ohne zu Zögern seinen Entschluss fasst und Marcus ungläubig mit ansehen muss, wie sich einer der letzten Menschen, die ihm noch etwas bedeuten, selbst in den Tod reißt, um ihn zu retten, spricht Bände.
Infamous 2
Infamous 2 ist wie bereits sein Vorgänger vor allem für eines bekannt:
Viele freie Entscheidungen für die Spieler. Das sogenannte Karma (die Summe der Dinge, ob wir gute oder böse Taten vollbracht haben) beeinflusst hier nicht nur den Storyverlauf, sondern auch das Gameplay.
Letztlich entscheiden wir Spieler auch, wie wir alles zum Abschluss bringen möchten. Doch es wird uns nicht leicht gemacht: Selbst wenn man das ganze Spiel hindurch immer die "guten" Entscheidungen getroffen hat, kostet einem das dazugehörige Ende letztlich trotzdem einiges an Überwindung. Denn obwohl wir alles richtig gemacht und Stunden investiert haben, um die Welt zu verbessern, fordert der positive Abschluss das ultimative Opfer: Unseren Cole Macgrath in den Tod zu schicken.
Aber gerade das macht dieses Spiel, dieses Opfer, zu etwas besonderem in meinen Augen und lässt es aus der breiten Masse hervorstechen.
Mass Effect 3
Nicht nur, dass seine Rasse (die Salarianer) einst für die Genophage (eine Unfruchtbarkeitskrankheit, welche die Kroganer fast an den Rand der Ausrottung gedrängt hat) verantwortlich war. Zusätzlich ist er auch selbst direkt in diesen Vorgang involviert gewesen. Nicht zuletzt deshalb ist er aber auch die treibende Kraft hinter der geplanten Heilung. Mordin war es, der es schaffte die erste kroganische Frau zu heilen und ein Gegenmittel zu entwickeln. Als Abschluss seiner "Sühne" sorgt er manuell dafür, dass das Heilmittel über den einstürzenden Mantel-Turm verteilt wird und stirbt in dessen Explosion.
Metal Gear Solid
Doch erst dieser definierte für viele Spieler das "Filmreife Spielerlebnis". Der Agententhriller unter den Spielen schaffte es die richtige, düstere Atmosphäre zu schaffen, in welcher Metal Gear Solid angesiedelt ist und die Action gut zu inszenieren. Im Laufe der Story trifft man als Spieler dabei auf sehr viele unterschiedliche Charaktere, welche allesamt sehr ausgeprägt und abwechslungsreich sind.
Doch einer davon sticht besonders hervor:
Der Cyborg-Ninja, welcher sich später als Gray Fox offenbart. Dieser war, ebenso wie Big Boss, ein legendärer Söldner und in Snakes Anfangszeit bei FOXHOUND ein Idol und später sogar Kamerad. Im Laufe der Metal Gear-Handlung, stehen sie sich aber auch als Feinde gegenüber. Nicht mit Hass, Abneigung oder unterschiedlicher Ideologie, sondern nur aufgrund ihrer eigenen Entscheidungen. Dementsprechend betrauerte Snake auch Fox's scheinbaren Tod.
Dieser Mann taucht im Kampf gegen Metal Gear Rex plötzlich auf und steht Snake wieder gegenüber. Gefangen zwischen Leben und Tod (da er im Sterben liegend in einen Cyborg umgewandelt wurde), offenbart Fox noch die wahre Beziehung zwischen ihm und seiner vorgeblichen Schwester (Naomi), bevor er sich in den Kampf gegen den Kampfmech Metal Gear Rex stürzt und dabei stirbt.
Das volle Ausmaß, und die Bedeutung dieser Szene, offenbart sich leider nur richtigen Metal Gear-Fans, da die Handlung extrem verwoben und verworren ist. Aber ich denke, dass auch Außenstehende die Emotionen darin verstehen können.
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