Playstation 3 Game-Kritik #4
Killzone 2, erschienen 2009, entwickelt von Guerilla Games, war DER First-Person-Shooter für die damals gerade neu erschienene Playstation 3. Das Spiel sollte das exklusive PS3-Gegenstück zu "Halo" auf der Xbox 360 sein. Obwohl durchaus erfolgreich, sollte die Übertrumpfung des Vorbildes ausbleiben.
Die Menschheit hat den Weltraum besiedelt und mehrere Kolonien gegründet. Eine davon, der Planet Helghan, versteht sich allerdings als unabhängig und beginnt schließlich einen Krieg, den ersten Extrasolaren Krieg, welchen sie allerdings verlieren. Auf ihrem Heimatplaneten isoliert, welcher äußerst unwirtlich ist, hört man lange nichts von den Helghast. Doch während dieser Zeit haben sie sich angepasst, wurden stärker und widerstandsfähiger. Heimlich wieder aufgerüstet, starten sie schließlich eine Invasion des Planeten Vekta. Als Captain Templar, zu diesem Zeitpunkt dort stationiert, bekämpft man diese und schafft es schließlich, sie unter großen Verlusten zurückzuschlagen.
Killzone kam 2004 noch auf der Playstation 2 heraus und war ein großer Erfolg, weshalb es auch herangezogen wurde, um als Referenztitel für die Nachfolgekonsole zu dienen.
Killzone 2
Nachdem die ISA (Interplanetarische Strategische Allianz) den Planeten Vekta befreit hat, werden die Helghast als geschwächt angesehen und es wird eine Invasion zu deren Heimat gestartet. Templar ist nun Colonel und befehligt den Angriff. Der Spieler übernimmt die Rolle von Sergeant Sevchenko (einem Verteidiger von Vekta) und... ja so ist es halt. Ziel der Invasion ist die Gefangennahme von Scolar Visari, der Autarch der Helghast, der sie radikalisiert und zu dem gemacht hat was sie heute sind: unerbittliche Krieger. Obwohl deren Flotte scheinbar vernichtet wurde, verläuft der Krieg sehr schleppend. Denn, wer hätte das gedacht, die Helghast kämpfen brutal und unnachgiebig um jeden Meter Boden.
Visari wiederum beauftragt seinen besten Offizier, Colonel Radec, damit, die Aktivierungscodes für die auf Vekta gestohlenen Atomwaffen zu besorgen. Sevchenko, unter dem Kommando von Rico (einem Kameraden von Templar), unterstützt mehrmals den Vorstoß des Hauptkonvois zu Visaris Palast. Ein spezielles Verteidigungssystem stoppt dieses Unterfangen jedoch. Auf der Suche nach dessen Quelle, werden zwei andere Teammitglieder und eine Wissenschaftlerin von Radec gefangengenommen. Sevchenko und Rico folgen und machen einen Befreiungsversuch. Da Rico hierbei jedoch blind nach vorne stürmt, stirbt ein Squadmitglied (Gaza, hier merkt man, dass er scheinbar der beste Freund Sevchenkos war). Kurz darauf wird die Invasionsflotte der ISA selbst angegriffen. Hierbei tötet Radec die Wissenschaftlerin sowie Templar und entkommt mit den Aktivierungscodes. Mit diesen wiederum, zündet Visari in seiner eigenen Hauptstadt eine Atombombe, um die dort befindliche ISA-Hauptstreitmacht zu vernichten.
AusführungIn einem letzten Vorstoß gelingt es Sevchenko und den verbliebenen Truppen trotzdem, den Palast einzunehmen und Radec zu töten. Als sie Visari jedoch festnehmen wollen, lässt sich Rico provozieren und erschießt ihn. Kurz darauf taucht eine große Raumflotte der Helghast auf und die Zukunft für die ISA-Truppen sieht mehr als schlecht aus ...
Ich weiß, First-Person-Shooter haben ihr Hauptaugenmerk nicht auf der Story und ich habe mich deshalb auch nicht so sehr auf diesen Punkt konzentriert. Aber obwohl das Szenario durchaus Potenzial hätte, wird es einfach verspielt. Zuviele Dinge passieren immer genau dann so, wie sie gebraucht werden. Und es gibt Logikfehler, die einfach nicht übersehen werden können. Beispielsweise erfährt man als Spieler, dass die Helghast durch das Leben auf ihrem Planeten abgehärtet wurden (da extrem anspruchsvoll) und dem normalen Menschen überlegen sind. Aber selbst sie müssen auf Helghan ständig Atemmasken im Freien nutzen, um zu überleben. Doch als die ISA auf dem Planeten landet, trägt kein einziger Soldat eine Maske oder irgendeine andere Schutzkleidung.
Ein FPS muss für mich auch keine emotionalen Charaktere haben, um gut zu sein (obgleich immer mehr beweisen, dass es möglich ist, diese zu erschaffen). Aber, wenn ein Spiel mehr schlecht als recht und nur halbherzig versucht dem Spieler die Charaktere näherzubringen, dann richtet das mehr Schaden an, als dass es hilft. Sevchenko und sein Squad sind einfach irgendwelche Soldaten; und abgesehen von abgedroschenen Klischee-Sprüchen, bekommt man von ihnen auch nichts mit. Wenn man also - anhand dieser Basis - dem Spieler zeigt, wie Sevchenko weint und wütend über den Tod seines Kameraden ist, dann kümmert uns das logischerweise herzlich wenig.
Killzone 2 ist der reinste Kriegsshooter, den ich bisher gespielt habe. Die Geräuschkulisse (Explosionen, Schreie, Schüsse) und der ständig in dunkel und bedrückend gehaltene Farbton, vermitteln ungemein gut eine Kriegsatmosphäre. Hinter jeder Ecke lauert eine Gefahr, die gesamte Umwelt ist einem feindlich gesinnt und die bedrohlich roten Augen eines Helghast-Soldaten sind oft das Letzte, das man sieht.
Das Szenario an sich und insbesondere des Design und der Hintergrund der Helghast ist sehr ansprechend und interessant. Eine Kriegernation, deren Kämpfer wie Hightech-Versionen deutscher Soldaten aus dem 1. Weltkrieg wirken und ihr unerbittlicher Kampfwillen, sind die hervorhebend guten Merkmale der Serie. Dagegen wirken die ISA und deren Streitkräfte geradezu farb- und gesichtslos. Als Spieler fragt man sich, wie es dieser Kanonenfutter-Armee überhaupt gelingt, etwas gegen die Helghast auszurichten.
Waffen- und Fahrzeug-Design/Funktionalität
Killzone 2 bietet dem Spieler eine Vielzahl an verschiedenen Waffen. Die meisten davon (inklusive alles, was die ISA zu bieten hat) könnten auch direkt aus aktuellen Arsenalen stammen und sind nicht wirklich etwas besonderes. Positiv stechen da schon eher die Helghast-Waffen hervor. Diese verwenden für alle Gattungen (Sturmgewehr, schweres Maschinengewehr, Pistolen etc.) runde Magazine, was zu interessanten Designs führt. Die Waffen sind mitunter aber das größte Problem des Spiels; mehr dazu später.
Die Fahrzeuge (Raumschiffe, Boden- und Luftfahrzeuge) entsprechen dem bisherigen Muster, sprich: ISA konventionell, Helghast fremdartig anders und auffällig. Es wäre nicht weiter erwähnenswertes, hierzu etwas zu sagen, aber über ein Fahrzeug muss ich doch sprechen:
Den Intruder
Der Intruder ist der fliegende Truppentransporter der ISA. Als solcher trifft man ihn an den traditionellen Spielstellen: Abstürze genau dann, wenn es wichtig wird, die letzte Chance von irgendwo evakuiert zu werden, Flucht- und Verfolgungsmittel etc.
An sich nichts Besonderes, aber man werfe bitte noch einen genauen Blick auf das Design: Die Soldaten sitzen an der Oberseite, dort wo das Geländer angebracht ist. Bedenkt man nun, dass der Intruder in der oberen Hemisphäre von den Raumkreuzern aus startet, stellen sich zwei Fragen:
• Was sollen die Soldaten atmen? In den oberen Atmosphäreschichten ist der Sauerstoffgehalt viel zu gering und künstliche Versorgung ist notwendig.
• Wie soll man den Druck- und Luftverhältnissen während des Fluges auf diesem Ding standhalten? Geschweige denn, was bei einem Absturz oder Luftabwehrbeschuss geschieht?
Ich habe nichts gegen ausgefallenes Design oder ungewöhnliche Ideen. Aber der Intruder ist eindeutig eine Fehlkonstruktion, da gibt's nicht viel zu diskutieren.
Story-Bewertung: 1 von 3 Game-Controller
Gameplay
Waffen
Wie bereits erwähnt, gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Waffen. Doch praktisch allen haftet ein Makel an, welcher sich in der Art dieses Spieles als äußerst lästig erweist:
Die Genauigkeit. Wie in vielen anderen FPS, kann die aktuelle Waffe locker lässig aus der normalen Haltung abgefeuert werden. Bleibt man stehen und geht in die Hocke, erhöht sich die Genauigkeit. Wird auch noch in den eigenen Zielmodus gewechselt, hat man den höchstmöglichen Grad der jeweiligen Waffe erreicht.
ABER: Abgesehen vom Scharfschützengewehr, gibt es nur eine einzige Waffe mit einem Visier (obgleich auch dieses "nur" ein Punktvisier ist. Alle anderen müssen über Kimme und Korn gehandhabt werden; dies allein wäre ja noch nicht so schlimm, wenn die Gegner nicht so gekonnt den Stellungskampf beherrschen würden - und somit meist nur ein kleiner Teil des Körpers zu sehen ist). Aber selbst das wäre noch akzeptabel.
Nun kommt aber ein weiteres Problem zum Tragen: Streuung und Rückstoß. Keine einzige Waffe ist auf mehr als fünf Metern auch nur halbwegs genau. Versucht man dann auch noch, Dauerfeuer abzugeben, ist sowieso schluss, da nach höchstens drei Projektilen die Waffe so stark verzieht, dass praktisch alles getroffen wird außer dem Feind. Vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden sind somit nicht die Helghast der größte Feind, sondern die eigenen Waffen ...
Künstliche Intelligenz
Die Künstliche Intelligenz zeigt sich in Killzone 2 von sehr unterschiedlicher Qualität. Zum einen haben wir die Gegner: Diese gehen, wenn möglich, immer in Deckung, Feuern gut geschützt aus ihren Stellungen, versuchen sich aus der Schussbahn zu ziehen (wenn verletzt) und nehmen den Spieler in die Zange, wenn er sich zu weit vorwagt.
Zum anderen haben wir die Verbündeten: Diese laufen mitten ins Kreuzfeuer, stehen sehr oft im Weg und blockieren das Weiterkommen. Zudem tragen die Verbündeten zum Teil die besten Waffen, benutzen diese aber so selten, dass man glauben könnte, sie hätten nicht mal die Grundausbildung dafür absolviert.
Gameplay-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller
Grafik
Das Erscheinungsjahr des Titels bedenkend, kann sich die Grafik immer noch sehen lassen. Die dreckigen und kriegsgeschädigten Gebäude/Landschaften, lassen nie einen Zweifel darüber aufkommen, wo man sich befindet und verstärken das beklemmende Kriegsszenario.
Grafik-Bewertung: 2,5 von 3 Game-Controller
Sound
Hier kommt auch der Sound ins Spiel. Mit orchestralen und groß angelegten Musikstücken, wird man zu einem letzten Ansturm ermutigt oder motiviert, noch ein paar Minuten die Stellung zu halten. Die Thematik passt immer zur aktuellen Situation und untermalt gut die gezeigten Szenarien.
Sound-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller
Fazit
Killzone 2 hinterlässt ein sehr zwiespältiges Gefühl bei mir. Es ist ein solider Shooter, mit einem interessanten Szenario, guter Steuerung, Grafik und Sound. Gleichzeitig gibt es viele Kritikpunkte, welche zwar einzeln nicht schwerwiegend sind, aber in Summe doch das Spielerlebnis trüben.
Wer sich also einfach unvoreingenommen auf eine neue Spielserie einlassen möchte (der Kaufpreis ist mittlerweile auch schon sehr niedrig), dem kann ich Killzone 2 durchaus empfehlen. Wer allerdings DAS Shooter-Schwergewicht für die Playstation 3 sucht, der wird es hier wahrscheinlich nicht finden.
Gesamtbewertung: 7,5 von 12 Game-Controller
Asgarod
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