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Samstag, 16. März 2013

Infamous 2

Playstation 3 Game-Kritik #3

Was ergibt eine Kombination aus der Agilität von Assassins Creed + der offenen, detailreichen Welt von Grand Theft Auto + Superkräfte?
Richtig, man erhält Infamous!

Der Playstation 3 Exklusivtitel (aus dem Jahre 2009), entwickelt vom Sony eigenen Studio Sucker Punch Productions, kreuzte erstmals meinen Weg zu der Zeit, als der große PSN-Datenklau in den Medien war. Ich war davon zwar nicht betroffen (da ich zum Glück keine Kreditkarte für mein Konto gemeldet hatte), trotzdem wurde an alle PS3 Besitzer als Entschädigung zwei Spiele verschenkt (aus einer Auswahl von circa zehn). Ich entschied mich herbei eben unter anderem für Infamous (den ersten Teil).

Kurz zu Infamous
Der Protagonist dieses Titels ist Cole MacGrath, Fahrradkurier, in der fiktiven US-Stadt Empire City lebend, mit seinem besten Freund Zeke Dunbar und Lebensgefährtin Trish Dailey. Er führt ein normales Leben, bis zu dem Tag, an dem ihn eine Lieferung in ein verlassenes Gebäude führt, wo er den Lieferanweisungen folgend, das Paket öffnet. Das darin befindliche Gerät (die sogenannte Strahlenkugel), wird dadurch aktiviert und sprengt das Gebäude samt drei weiterer Blocks in die Luft. Doch Cole stirbt dadurch nicht. In den Trümmern gefunden und von Trish und Zeke gesund gepflegt, erkennt er bald, dass er sich verändert. Er verfügt nun über elektrische Superkräfte. Die Stadt steht mittlerweile unter Quarantäne und aufgrund von verbreiteten Bildern, glaubt die ganze Stadt nun, dass Cole für das Unglück verantwortlich ist (Trish trennt sich sogar deshalb von ihm). Während Cole auf der Suche nach der Wahrheit seine Kräfte immer weiter entwickelt, liegt es am Spieler, ob er den Bürgern hilft und zum Helden wird oder noch mehr Anarchie verbreitet. Andere Leute mit Kräften tauchen auf und verfolgen ihre ganz eigenen Ziele, welche mit Coles Suche kollidieren. Mehrmals begegnet er dabei einem älteren Mann namens Kessler, welcher Cole sehr gut zu kennen scheint und ihn immer wieder ermahnt sich vorzubereiten. Denn Cole müsse sich einer Gefahr stellen, die weit größer ist als alles, was sich ihm in Empire City entgegenstellen wird...
Nichts über dieses Spiel wissend, konnte ich mich völlig unvoreingenommen darauf einlassen und wurde nicht enttäuscht. Bereits mit Open-World Spielen, wie etwa Assassins Creed und GTA vertraut, findet man sich schnell zurecht. Aus der Third-Person Perspektive, mit frei drehbarer Kamera, bewegt man sich leichtfüßig durch Empire City. Hierbei durchquert man ein modernes und detailliertes Stadtsystem, welches durchaus mit einer GTA-Stadt mithalten kann. Es gibt praktisch kein Gebäude und keinen Ort, den man nicht erklettern und erreichen könnte. Das hierfür zugrunde liegende System ist sehr viel leichtgängiger und einfacher gehalten, als beispielsweise in Assassins Creed. Praktisch jede Kante und jeder Vorsprung können durch Sprünge ergriffen werden, ohne spezielle Richtungen/Wege einschlagen zu müssen. Wohl wichtigster Unterschied zu Assassins Creed: Es gibt keinen Fallschaden. Dies nimmt die Scheu, sich an gefährliche Stellen heranzuwagen. 

Zu den Kämpfen, der Kräfteentwicklung, Karma und den Hintergründen, werde ich im späteren Verlauf näher eingehen, da sie identisch mit dem zweiten Teil sind.

Alles in allem ist Infamous ein sehr unterhaltsames und lange fesselndes Spielerlebnis. Die Geschichte birgt mehrere spannende Wendungen und ein Ende, das Lust auf mehr hinterlässt. Auf...

Infamous 2
Story 
Die von Kessler angekündigte Bedrohung, nur die Bestie genannt, taucht wesentlich früher auf als Gedacht. Cole kann sie trotz aller Vorbereitung nicht aufhalten und Empire City wird vernichtet. Er flieht gemeinsam mit Zeke und der NSA-Agentin Kuo, nach New Marais (eine Stadt in den Südstaaten der USA). Kuo arbeitete dort verdeckt mit einem Forscher zusammen, welcher am Bau der Strahlenkugel beteiligt war. Gemeinsam wollen sie Coles Kräfte wesentlich verstärken, damit er die Bestie besiegen kann.
Doch kaum in New Marais angekommen, müssen sie feststellen, dass eine Miliz aus waffenstarrenden Wichtigtuern und Rednecks, die Stadt unter Kontrolle hat. Ihr Anführer ist ein Großindustrieller namens Joseph Bertrand. Mittlerweile ist es allgemein bekannt, dass es Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten gibt (Conduits genannt) und genau gegen jene wird von der Miliz Hetze betrieben. Wer verdächtigt wird, „unrein“ zu sein, wird verhaftet und verschwindet für immer.
In diesen Hexenkessel ankommend, entbrennen sofort Konflikte zwischen Cole und der Miliz, in die sich auch Rebellen einmischen, die gegen Bertrand sind. Während Cole Energiekerne sammelt, um stärker zu werden und so den SFI (ein Gerät das die Bestie töten soll) aufzuladen, deckt sich die Wahrheit hinter Bertrands Beweggründen auf.
Während die Parteien sich bekriegen, erreicht auch die Bestie (welche eine Schneise der Zerstörung durch die USA gezogen hat) New Marrais. Plötzlich wird alles komplizierter als gedacht und Cole begreift, dass seine letzte Entscheidung wesentlich tiefgreifender sein wird, als er es je für möglich gehalten hat...

Ausführung
Die Story ist solide und hält den Spannungsbogen meist halbwegs gut aufrecht. Im Vergleich mit dem ersten Teil ist sie allerdings merklich schwächer. Infamous bot mehr und interessantere Charaktere und die Geschichte an sich hatte wesentlich spannendere Wendungen. Vor allem fühlte ich mich emotional mehr einbezogen. Entscheidungen in den Neben- und Hauptmissionen waren wirklich „böse“ oder „gut“. Gleichzeitig gefällt es mir aber, dass „böse“ im zweiten Teil meist nur kompromisslos bedeutet. Rücksicht zu nehmen und das gesellschaftlich „gute“ zu tun, mag im Grunde ja keiner in Frage stellen. Aber wie würde es aussehen, wenn wirklich etwas auf dem Spiel steht? Nun, in Infamous 2 wurde eine eindeutige Entscheidung erst spät am Ende in der letzten Mission deutlich. Aber dafür berührt das, was passiert umso mehr.

Story-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Gameplay

Den Großteil des Spieles kann man sich völlig frei durch New Marais bewegen. Die Stadt ist in drei Teile geteilt, welche im Verlauf der Handlung besucht werden, allerdings zuvor immer erst mit Strom versorgt werden müssen.

Wie bereits erwähnt, ist man als Cole sehr agil unterwegs und klettert problemlos zwischen Gebäuden herum. Weiters erleichtert wird die Bewegung in der Stadt (welche ziemliche Entfernungen überspannt), durch eigene Kräfte. Beispielsweise ist es möglich, blitzschnell über jegliche Art von Kabelleitungen zu gleiten oder mit „Schubdüsen“ den Fall abzubremsen und so kurze Zeit in der Luft zu schweben.

Die Handlung wird durch Hauptmissionen vorangetrieben. Zwischendurch kann man sich allerdings, solange man möchte, anderweitig austoben. Es gibt zusätzliche Nebenmission (neutral oder einer Karmaseite zugeordnet), welche zwar nicht allzu abwechslungsreich sind (Gegner verfolgen, versteckte Päckchen suchen, Gegnergruppe angreifen, Geiseln befreien etc), aber für den nötigen Erfahrungsschub sorgen. Erfahrungspunkte und Karma bringen uns auch schon zum nächsten Punkt.

Karma und Kräfte

Wann immer ein Gegner besiegt (Variationen, wie das passiert, bringen zusätzliche Punkte) oder Missionen beendet werden, erhält der Spieler Erfahrungspunkte. Diese werden benötigt, um die nach und nach freigeschalteten Kräfte von Cole zu erwerben. Manche davon, wie der „normale“ Blitzschlag, sollten immer weiter verbessert werden. Bei anderen Kräften ist es wiederum ratsam, zu überlegen, ob diese zum eigenen Spielstil passen. Wenn man allerdings fleißig alle Missionen beendet hat, hat man am Ende sowieso genug Erfahrungspunkte, um sich alles leisten zu können.

Circa 50 Prozent der Kräfte bleiben einem aber verwehrt, da sie ausschließlich einer der Karmaseiten zugehörig sind und für die andere nicht freigeschaltet werden.

Und somit zum Karma:
Dieses richtet sich danach, wie man sich als Spieler verhält. Heilt man verletzte Zivilisten, tötet besiegte Gegner, tötet Zivilisten, sprengt ganze Gebäude - wenn es dem Ziel dienlich ist? Dies sind alles Beispiele, wie man sein Karma beeinflussen kann. Wichtig ist nur, dass man sich von Beginn an festlegt, wie der neue Spieldurchgang sein soll. Denn ein ständiges wechseln zwischen guten und bösen Taten bewirkt, dass einem die speziellen Kräfte der jeweiligen Seite verwehrt bleiben.

Gameplay-Bewertung: 2,5 von 3 Game-Controller


Grafik

Die Qualität und der Detailgrad haben sich stark verbessert seit dem ersten Teil. Zudem sind viele Teile von New Marrais zerstörbar und deren Zusammenfall wirkt realistisch. Generell ist die Stadt schön gestaltet und sieht genauso aus, wie man sich eine Südstaaten-Stadt im Kolonialstil vorstellt. Spätestens, wenn man in den überfluteten Teil der Stadt kommt, wird es offensichtlich, dass die Entwickler sich New Orleans als Vorbild genommen haben.

Viele Elemente wiederholen sich jedoch nach einer gewissen Zeit und lassen Eintönigkeit aufkommen. Zudem fehlt es ein wenig am Detailgrad. Zugegeben, in Open-World Spielen ist dies mit zunehmender Größe ein verständliches Inhalte Problem (all dies muss ja schließlich vom Art-Team erstellt werden), aber es gibt hier auch Mittelwege.

Grafik-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Sound

Der Sound drängt sich nie in den Vordergrund und untermalt viel eher sanft die Umgebungsgeräusche. Ausnahme sind hier nur Kampfintensive Abschnitte. Hierdurch gibt es allerdings auch fast keine speziell herausragenden Titel. Ein solider Soundtrack der sich auf die Unterstützende Rolle beschränkt.


Sound-Bewertung: 2 von 3 Game-Controller


Fazit

Infamous 2 verbindet, wie schon sein Vorgänger, mehrere Spielsysteme miteinander zu einem neuen Ganzen. Es macht richtig Spaß, völlig frei durch die Stadt zu ziehen, keine unerreichbaren Orte vorzufinden und den Gegner mit unterschiedlichsten Superkräften zu Leibe zu rücken. Für mich gab es bisher kein Spiel, in dem man sich mehr als Superheld fühlen konnte als in Infamous.

Wen die Hauptstory nur mäßig interessiert, der wird leider auch abseits nicht allzu viel Abwechslung finden. Auch das Konzept wird wohl nicht jeden ansprechen. Im Großen und Ganzen kann ich aber eine klare Empfehlung abgeben und denke, dass die Meisten viel Unterhaltung mit den Spielen haben werden ;)

Gesamtbewertung: 8,5 von 12 Game-Controller

Asgarod

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