Translate

Donnerstag, 24. Januar 2013

Mass Effect 3

Playstation 3 Game-Kritik #2


Es war ein langer Weg bis zu diesem Punkt. Als erster menschlicher SPECTRE deckten wir ein Komplott auf und verhinderten, dass die Feinde allen organischen Lebens, die Reaper, die Galaxie vernichteten. Wir starben und doch kamen wir wieder zurück. Niemand nahm unsere Warnungen ernst und nur der Untergrund und eine Extremistengruppe waren der Weg weiterzukämpfen. Wir scharten ein Eliteteam um uns und bezwangen die Kollektoren im Zentrum der Galaxis.

Aber der Weg ist noch nicht zu Ende. Noch lange nicht. Die Reaper sind angekommen und starten bereits ihren Vernichtungsfeldzug. Und alles, was zwischen ihnen und dem Ende allen Lebens steht sind ein/e einzelne/r Mann/Frau und die Crew der Normandy...

Anmerkung:
Die Mass Effect-Reihe gehört für mich zu den besten Spielen, die ich bisher erleben durfte. Seitdem ich im Juli 2012 sehr verspätet in Kontakt mit ihr kam, habe ich mittlerweile 7 komplette Spieldurchläufe (2 x ME1, 3 x ME2, 2 x ME3) und über 200 Spielstunden auf dem Buckel. Man möge mir deshalb verzeihen, wenn manche Dinge in meinem Text zu positiv und kritiklos wirken. Aber gerade ME3 hat sehr viele Kontroversen ausgelöst, weshalb ich nur anmerken möchte, dass die folgenden Seiten lediglich mein persönliches Erlebnis mit dem Spiel widerspiegeln.

ACHTUNG SPOILER!
Das Spiel ist zwar schon bald ein ganzes Jahr alt, trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass mein Erfahrungsbericht teilweise milde Spoiler enthalten wird, da ich ein paar Bereiche detailreicher schildern möchte.
Mass Effect 3

Mit dem dritten Teil von Mass Effect schließt sich der Kreis einer sehr erfolgreichen und populären Trilogie. Die Erwartungen nach Teil 2 waren groß und der Druck, abermals sich selbst zu übertreffen muss riesig gewesen sein. Ob man sich nun vom Hype (eines überraschend gut gemachten Marketings) hat mitreißen lassen - oder ob man das gar nicht nötig hatte - für viele ging eine Geschichte zu Ende, in der man sich lange Zeit zu Hause fühlen konnte.

Falls sich jemand vielleicht doch noch einmal sein Wissen auffrischen möchte, dem empfehle ich meine Kritik zur Mass Effect 2 in diesem Blog ;-)

Da Mass Effect 3 auf so vielfältige Arten erlebt werden kann, möchte ich erwähnen, dass ich sowohl als männlicher (Soldaten-Klasse) als auch als weiblicher Shepard (Wächter-Klasse) gespielt habe und dabei stets die Paragon-Entscheidungen traf.

Die Story
Wenn jemand als Neuling an ME3 herangeht oder mit seinem Wissen über die bisherige Story etwas eingerostet ist, sollte man überlegen, sich etwas einzulesen oder vielleicht doch zuerst die Vorgängertitel zu spielen. Denn die Handlung nimmt sofort nach Spielbeginn volle Fahrt auf.
In diesem Zusammenhang habe ich schon öfter gelesen und gehört, dass dies als Schwäche angesehen wird. Spieler, welche die ersten beiden Teile ausgelassen oder nie gekannt haben, würden auf der Strecke bleiben und nicht das volle Erlebnis genießen können. Ehrlich gesagt, habe ich für diese Beschwerden kein Verständnis. Es stimmt schon, sich zuerst ME1 und ME2 zu widmen, erfordert um die 60 Stunden, was wohl vielen ein zu großer Aufwand ist. Gleichzeitig sollte diese Zahl aber auch klarmachen, weshalb man sich kaum zu wundern braucht, wenn ohne diese Zeit das Verständnis für die Story fehlt.
Die Allianz nimmt die Warnungen Shepards endlich ernst, doch die Einsicht kommt etwas spät. Sechs Monate nach dem Mass Effect 2 DLC „Die Ankunft“ (Shepard zerstörte ein Masseneffektportal, um die Reaper aufzuhalten, wodurch 100.000e Batarianer starben und er/sie nun deshalb vor Gericht steht), wird die Erde ohne Vorwarnung angegriffen. Alles, was sich ihnen in den Weg gestellt hat, wurde so schnell vernichtet, dass es keine Meldung gab.
Shepard gelingt gemeinsam mit Admiral Anderson die Flucht zur Normandy. Der Admiral bleibt jedoch zurück, um den Widerstand zu organisieren. Als Shepard sich weigert, alleine zu gehen, stellt Anderson seinen/ihren alten Rang wieder her und befiehlt zu fliehen.
Nach einem Zwischenstopp auf dem Mars, gesellt sich nicht nur Liara wieder zum Team, sondern man sieht sich auch mit Cerberus und dem Unbekannten konfrontiert. Dieser geht nun offen mit Gewalt gegen die Allianz vor und verfolgt den Plan, die Reaper zu kontrollieren anstatt zu vernichten. Die Fronten sind damit klar – Cerberus ist ab sofort der Feind.
Zudem fördert dieser Zwischenfall auch etwas anderes zu Tage: den Bauplan zu einer Superwaffe der Protheaner. Diese soll gebaut und zum Triumph über die Reaper werden, da ein konventioneller Krieg erfolglos scheint.
Ab diesem Zeitpunkt ist der Auftrag klar: Shepard muss alles und jeden um sich scharen, damit dieser Plan gelingen kann. Alle Rassen müssen vereint werden, um genug militärische und wissenschaftliche Stärke zu haben.
Im Folgenden muss Shepard viele alte Konflikte und Ungerechtigkeiten ausmerzen. Diese reichen von der Genophage (die Unfruchtbarkeitskrankheit der Kroganer), über den Krieg der Quarianer, mit den von ihnen erschaffenen Geth, bis hin zu einem Verrat in den eigenen Reihen.
Man trifft dabei auch auf alle Charaktere aus den vorangegangen Spielen. Deren Geschichten finden mal mehr, mal weniger groß ihren Abschluss. Aber jede einzelne davon ist ergreifend erzählt und lässt uns entweder einen Freund verlieren oder einen weiteren Mitstreiter gewinnen. In jedem Fall haben Spieler, die es geschafft haben in Mass Effect 2 alle Teammitglieder am Leben zu erhalten, hierbei ein wesentlich umfangreicheres Erlebnis.
Es ist einfach eine Freude und ungemein spannend zu sehen, wie sich alle offenen Enden seit Beginn der Mass Effect-Trilogie zusammenfinden und ein schlüssiges Ende finden. Die Handlung lässt uns Opfer beklagen, Frieden feiern, Verzweiflung spüren und zusehen, wie ganze Rassen auf Grund unserer Taten entweder erstarken oder zu Grunde gehen.
Bei all dem müssen wir uns immer den Angriffen von Cerberus und den Reapern entgegenstellen. Vor allem letztere kommen einem so nahe wie noch nie zuvor. Das ganze Ausmaß ihrer kalten, brutalen und berechnenden Kriegsführung wird sehr gut dargestellt. Jede Spezies wird „geerntet“ und zu einer eigenen verdrehten und perversen Abart umgewandelt. Die einstigen Kameraden sehen sich Vertretern ihrer eigenen Rasse gegenüber, welche auf abartige Weise zu Reaper-Wesen gemacht wurden. Die Wut, die Furcht und der Schock sind durch deren Auftreten geradezu spürbar.
Schließlich ist es soweit. Alle Rassen sind vereint, der Tiegel (die protheanische Superwaffe) ist fertiggestellt und die größte Armada der Galaxis bereit anzugreifen. Der letzte Konflikt mit Cerberus wird ausgetragen, wobei auch zu Tage kommt, dass die Citadel nötig ist, um den Tiegel zu benutzen. Diese wurde jedoch mittlerweile zur Erde gebracht, wo sich ihrerseits nun die Reaper sammeln.
So kommt es um und auf der Erde zur alles entscheidenden Schlacht. Wie diese und auch die Trilogie ihren Abschluss findet, wird vom Spieler in einer letzten und wahrscheinlich der schwerwiegendsten Entscheidung besiegelt. Hierzu möchte ich allerdings nichts weiter sagen, da das Ende von Mass Effect 3 ein wirklich gewaltiges und großes Thema ist. Es führte zum vielleicht größten Protest von Spielern gegen einen Entwickler, den es in der bisherigen Geschichte der Videospiele gab. Dadurch gibt es eine Menge darüber zu sagen, weshalb ich mich entschlossen habe diesem Thema einen eigenen Beitrag zu widmen.
Die Grundstimmung ist im ganzen Spiel über sehr dunkel, ja fast schon melancholisch gehalten. Man merkt allen Charakteren an, dass sie zwar bereit sind zu kämpfen, aber die erdrückende Übermacht der Reaper immer wieder die Stimmung trübt und droht, sie in die Verzweiflung zu stürzen. Selbst Shepard muss mit Selbstzweifeln kämpfen und wird so verletzlich und menschlich dargestellt wie noch nie zuvor.
Hierbei blieben mir zwei Momente ganz besonders in Erinnerung:

ACHTUNG SPOILER!
  • Nachdem man Samara geholfen hat, deren Tochter zu retten und das Ardat-Yakshi Kloster zerstört ist, richtet sie plötzlich ihre Waffe gegen ihr eigenes Kind. Da Ardat-Yakshi außerhalb des Klosters nicht leben dürfen (es sind Asari mit einem Gen-Defekt, der sie sehr gefährlich macht), gebietet der Justikarinnnen-Kodex, dass die Tochter sterben muss. Während Samara das erklärt, richtet sie die Pistole plötzlich gegen sich selbst und will abdrücken. Wenn man Samara davon abhält, fragt Shepard schockiert, was das solle. Sie schreit voller Verzweiflung, dass sie ihre letzte Tochter nicht töten wird und somit nur der Selbstmord bleibt, da man den Kodex nicht verletzen darf.
  • Nachdem man auf Thessia (der Heimatwelt der Asari) versagt hat und selbige von der Reapern vernichtet wurde, sieht man Shepard im Komm-Raum an der Wand lehnen. Der Kommunikator signalisiert ein eingehendes Signal. Shepard blickt in dessen Richtung. Sein/Ihr Blick wirkt gequält, erschöpft und niedergeschlagen. Denn der Anrufer ist die Asari-Ratsherrin, welche erfahren möchte, ob die Mission auf Thessia geglückt ist. Nach längerem Warten, ringt sich Shepard durch und überbringt die schlechte Nachricht.
Das Spiel enthält viele solche emotionalen Momente und trägt somit dazu bei, den Spieler in die Handlung mit hineinzuziehen.

Für mich, als großen Fan der Spielreihe, bot die Story alles, was das Herz begehrt. Alle wichtigen Charaktere kamen vor und alle losen Enden wurden zusammengeführt. Jede Entscheidung mit Einfluss auf den Lauf der Geschichte, fügte sich nahtlos ein, ohne Ungereimtheiten entstehen zu lassen. Ob man als Paragon oder Abtrünniger spielt, hat massive Auswirkungen und verändert das Erlebnis völlig.

Es ist schon eine Herausforderungen, alles konsistent zu halten, bei so vielen Variationsmöglichkeiten innerhalb ein und derselben Geschichte. Bedenkt man aber noch, dass sich diese Entwicklung über drei ganze Spiele zieht und wie groß diese sind, verdienen alle daran Beteiligten Respekt.

Perfekt ist es natürlich nicht. Die eine oder andere Erzählschwäche wird sich mit Sicherheit finden lassen. Und ob die Entwicklung eines Charakters der eigenen Vorstellung entspricht, ist natürlich wieder eine ganz andere Geschiche.

Soundtrack

In Spielen bin ich ein sehr Musik affiner Typ. Ein guter Soundtrack kann mich über vieles hinwegsehen lassen, genauso wie ein schlechter mein Spielerlebnis zerstört, egal wie gut die Grafik oder andere Teile sind. Unter anderem deshalb war Mass Effect 3 ein ganz besonderes Erlebnis für mich. 

Die musikalische Untermalung hat sich gegenüber Mass Effect 2 noch einmal sehr verbessert. Viele Elemente (zum Beispiel Rassen, Fraktionen, Orte) haben ganz eigene Melodien, welche immer wieder in neuer Gewandung auftauchen. Diese werden auch sofort mit dem jeweiligen Element assoziiert und sind sehr stimmig getroffen. 

Die Bandbreite reicht von partriotisch/motivierenden Hymnen (in Kämpfen und vor großen Missionen), bis hin zu bittersüßen Klängen (in dramatisch traurigen oder romantischen Situationen).

Offene Bereiche, Smalltalk und Neugier

Mass Effect 3 hat zwei offene Bereiche, in denen man sich völlig frei bewegen kann und die immer wieder besuchbar sind.

Die Normandy ist auch weiterhin das Raumschiff unserer kampfbereiten Mannschaft. Von hier werden Missionen gestartet, Missionsbesprechungen geführt, der Kriegsfortschritt überwacht und Waffen sowie Panzerung angelegt. Aber eigentlich verbringt man die meiste Zeit mit ganz anderen Dingen – Gespräche führen, sich betrinken, Streit schlichten und natürlich wieder: Sex 

Auf den diesmal bereits fünf Decks, gibt es allerhand zu erleben. Die Unterhaltungen mit den Squad-Mitgliedern (also aktiv kämpfenden) und ausschließlich auf dem Schiff anzutreffenden Crewmitgliedern, sind ja bereits aus Teil 2 bekannt. Grundsätzlich hat jeder seinen festen Platz auf der Normandy, an dem man miteinander reden und die Beziehung (egal ob freundschaftlich oder Romanze) vertiefen kann. Der Spieler muss nicht einmal mehr aktiv den NPC ansprechen. Kommt man nahe genug an einem vorbei, fangen diese ganz unverfänglich an, mit Shepard zu plaudern.

Neu ist allerdings, dass sich die NPCs auch mal verteilen und ihren Posten verlassen. So kann es durchaus vorkommen dass man zwei von ihnen an der schiffseigenen Bar vorfindet oder der Eine den Anderen an seinem Platz besucht und Geschichten ausgetauscht werden. Und wenn man wirklich sehr neugierig ist und stets nach jeder Mission nachsieht, was die Kameraden so treiben, gelingt es sogar über ein sich versteckendes knutschendes Pärchen zu stolpern oder einem besoffenen Freund nach einer durchzechten Nacht wieder auf die Beine zu helfen.

All diese Dinge lassen die Normandy lebendiger wirken als je zuvor und geben einem als Spieler nicht nur Unterhaltungswert, sondern auch eine emotionale Bindung.

Der zweite offene Bereich ist die Citadel. Auf fünf Ebenen, erreicht sie an Größe sogar wieder fast dasselbe Ausmaß wie in Mass Effect 1. Interaktionsmöglichkeiten gibt es aber auf jeden Fall mehr als jemals zuvor. Neben dem Erfüllen von Missionen, Annehmen von Sidequests (Beschaffe Artefakt X von Ort Y) und Einkaufen in den vielen Geschäften, gibt es aber noch mehr.

Shepard kann hier alte Bekannte treffen oder wird auch schon mal von einem Teammitglied zu einer besonderen Aktivität hierher eingeladen. Diese können ebenso wie auf dem Schiff an verschiedenen Stellen angetroffen werden, während sie ihren Landgang genießen und eigenen Geschäften nachgehen. Natürlich darf auch eine Tanzeinlage von Shepard im hiesigen Club nicht fehlen.

Mit Fortschreiten des Spieles, verändert sich auch die Citadel. Während es zu Beginn noch sauber, friedlich und weitab des Krieges wirkt, hört man später in den Nachrichten von den Fortschritten oder Niederlagen und begegnet immer mehr Flüchtlingen, die verzweifelt Hilfe suchen. Es gibt Rekrutierungsplakate, weinende Witwen, Gedenkstätten und, und, und...

Bioware hat sich hier wirklich alle Mühe gemacht, uns eine lebendige Spielwelt zu präsentieren.

Forscherdrang: Endlich eine gefundene Balance

Auch abseits der Kampfmissionen gibt es wieder genügend Beschäftigung. Sehr viele Systeme in der gesamten Galaxie können erforscht werden, um Artefakte und Ressourcen zu finden.

In Mass Effect 1 wurde beim Anwählen des Planeten sofort Wertvolles geborgen oder offenbarte einen „händisch“ erforschbaren Planeten. Hierzu wurde man mit dem Mako (ein schwerer, bewaffneter Truppentransporter) auf der Oberfläche abgeworfen und musste sich zu gekennzeichneten Stellen begeben. Dort galt es, entweder Technologie/Mineralien zu bergen oder eine Feindesgruppe zu besiegen. Dieser Teil wurde von vielen Spielern bekrittelt, da die Missionen meist eintönig aber notwendig waren, um genug Erfahrung zu sammeln.

Mass Effect 2 änderte das System der Galaxieerforschung. Es kann immer noch jeder Planet eines Systems angesteuert werden. Diesmal jedoch muss der Spieler selbst den Planeten scannen. Eine grafische Darstellung zeigt hierbei an, wie hoch die unterschiedlichen Mineraliengehalte sind oder ob eine Anomalie entdeckt wurde. Sind die Werte dem Spieler hoch genug, wird eine Sonde losgeschickt, die das Gefundene erntet oder eben eine Mission freischaltet. Pro Sternencluster gibt es mehrere Systeme. Um zwischen diesen reisen zu können, muss man Treibstoff kaufen, ebenso wie die Drohnen zur Erforschung. Ich konnte mich im Prinzip sehr mit dieser Veränderung anfreunden. Allgemein wurde sie jedoch als noch eintöniger angesehen.

Mass Effect 3 hält am Grundsystem des letzten Teiles fest, hat es aber als abgespeckte Version überarbeitet. Anstatt einzelne Planeten zu scannen, muss man nun mit der Normandy Flächenscans durchführen. Befindet sich innerhalb des Wellenbereiches etwas interessantes (zb in einem Trümmerfeld oder auf einem Planeten), wird es markiert und muss extra angeflogen werden.

Dieses Mal gibt es Artefakte (für Nebenmissionen), Credits, Forschungen oder Kriegsressourcen zu finden. Letztere zählen in die Bereitschaftswertung für den Endkampf und können von unterschiedlichen Raumschiffen (Fregatte, Zerstörer etc), über einzelne Personen (Samara, Jack etc) bis zu Soldatentrupps alles mögliche sein. Das Ganze wird jedoch durch den Umstand erschwert, dass mit wachsender Anzahl der Scans in einem System die Wachsamkeit der Reaper steigt. Erreicht dieser Wert eine bestimmte Grenze, wird man entdeckt und mehrere Reaper nehmen die Verfolgung der Normandy auf. Es ist zwar möglich, weiter zu scannen und gefundenes aufzunehmen, erwischen lassen sollte man sich aber nicht, da dies ein Gameover bedeutet.

Für mich war diese Änderung ein Schritt in die richtige Richtung. Die neue Forschungsvariante funktioniert schnell, ist leicht verständlich und macht es auch spannender, sich in die Weiten der Galaxie zu begeben.

Gameplay

Betreffend dem Gameplay wurde quasi das gesamte System aus Mass Effect 2 übernommen, aber in vielen Punkten verfeinert.

Shepard ist nun agiler als je zuvor. Er/Sie kann nun Abgründe überspringen, klettern, schnelle Ausweichsprünge vollführen und fließend zwischen Deckungen wechseln. Die Kampfsequenzen werden dadurch noch actionreicher und intensiver.
Aber die für mich beste Neuerung in diesem Zusammenhang ist der erweiterte Nahkampf. Anstatt schneller kleiner Schläge, ist es nun auch möglich einen einzelnen aufgeladenen Angriff durchzuführen. Hierbei erzeugt Shepards Universalwerkzeug eine Klinge, mit welcher der Gegner aufgespießt wird. Dieser wirklich coole Move ist nicht nur hilfreich, sondern wirkt auch richtig Bad Ass.

Die Waffenauswahl, vor allem deren Umfang, hat einen Mittelweg gefunden zwischen dem System aus Mass Effect 1 (sehr, sehr viele Waffen, welche sich nur durch Namen und Werte unterschieden, während das Aussehen fast identisch blieb) und Mass Effect 2 (pro Waffenklasse nur zwei bis drei verschiedene Exemplare, dafür sehr unterschiedlich in Werten und Aussehen). 
Es gibt nun um die zehn verschiedene Waffen pro Kategorie, wobei keine der anderen gleicht. Sogar innerhalb einer Kategorie (zb Sturmgewehre) variieren die Einsatzmöglichkeiten. So kann man durchaus ein Sturmgewehr mit Zielfernrohr anstatt eines Scharfschützengewehres verwenden. Dies ist teilweise auch durchaus nötig. Shepard kann zwar, unabhängig von seiner Klasse, alle Waffenkategorien benutzen, aber je mehr Gewicht diese gesamt haben, desto länger dauert die Aufladezeit seiner Kräfte. Einem Spieler der Soldaten-Klasse kann das noch relativ egal sein. Einem Biotiker-Experten (welcher Schaden hauptsächlich über seine Kräfte austeilt) wird es aber sehr wohl benachteiligen, wenn er nach Einsatz einer Fähigkeit (zb Schockwelle) mehr als eine halbe Minute warten muss, bis dies noch einmal möglich ist.

Erweitert wird dieses Balanceprinzip noch durch Mods, welche an den Waffen angebracht werden können (zb +10% Schaden, aber dafür auch +15% Gewicht). Da man bei jeder Mission die Ausrüstung des gesamten Teams neu zusammenstellen kann, gibt es hierdurch viele Kombinationsmöglichkeiten und Anregungen, etwas Neues auszuprobieren.

Viele NPCs sprechen Shepard nun von selbst an, wenn dieser an ihnen vorbeigeht. Das läuft nicht nur einseitig, sondern er/sie gibt auch Antworten, wodurch sich ein automatisch ablaufendes Gespräch ergibt. Die bisherige Möglichkeit, NPCs direkt anzusprechen, gibt es natürlich trotzdem noch und ist sehr wichtig. Geändert hat sich allerdings, dass, sobald alle Gesprächsoptionen einmal gewählt wurden, vorerst kein weiteres Gespräch möglich ist. Dies eliminiert das bisherige Problem, immer die ewig gleichen Gespräche führen zu müssen, um herauszufinden ob es etwas Neues gibt.

DLCs (Downloadable Content)

Mit aktuellem Stand gibt es drei DLCs (die Waffen- und Multiplayer-Pakete nicht mit eingerechnet) für Mass Effect 3. Vor meinem zweiten Spieldurchgang, habe ich sie alle gekauft und installiert, um das „volle“ Spielpotential zu erleben und bewerten zu können. 

Aus der Asche:
In dieser DLC führt uns eine Mission gegen Cerberus zurück nach Eden Prime (dem Planeten, auf dem die Ereignisse aus Mass Effect 1 ihren Lauf nahmen). Anstatt jedoch die Bergung eines Artefaktes zu verhindern, findet Shepard etwas ganz anderes – einen lebenden Protheaner! Dieser schließt sich als kämpfendes Teammitglied an.
Die DLC bietet einen tiefen Einblick in die Art der Protheaner und enthüllt, dass die Mythen und Vorstellungen so gar nicht der Realität entsprechen. Das verstört vor allem Liara und bietet in vielen Missionen interessante neuen Perspektiven.

Leviathan:
Eine interessante Erweiterung für all jene, die sich auch abseits des Kampfes neue Inhalte wünschen. Shepard muss die Forschungsergebnisse eines toten Wissenschaftlerteams nutzen und kombinieren, um deren Arbeit fertigzustellen. Sie beschäftigten sich mit dem Vorkommen und Erwähnungen der Reaper aus vergangenen Zeiten und Kulturen. Dabei kommt man einem uralten Geheimnis auf die Spur.
Leviathan bietet sehr viel Story-Inhalte und beleuchtet die Hintergrundgeschichte der Reaper. Die Kämpfe sind zwar auf dem Niveau des Hauptspieles, aber bieten außer zwei neuen Waffen nichts außergewöhnliches.

Omega:
Der neueste DLC konzentriert sich voll und ganz auf die Geschichte um Aria T'Loak. Diese wurde ja durch Cerberus von Omega vertrieben. Sie bietet Shepard um seine/ihre Hilfe bei der Rückeroberung. Allerdings alleine; die anderen Teammitglieder sind nicht verfügbar. Das wird aber gleich durch mehrere Features wettgemacht:
  • Aria T'Loak und eine weibliche Turianerin, mit ganz eigenen speziellen Fähigkeiten, stehen dem Spieler als neue Teammitglieder zur Verfügung.
  • Eine in sich geschlossene Story, abgekoppelt von der Haupthandlung.
  • Ein neuer erkundbarer Bereich – Die Raumstation Omega.
  • Mehrere interessante neue Waffen
Für meinen Geschmack bietet diese Erweiterung relativ viel Inhalt und Spielzeit. Es macht Spaß, auch mal auf einem Schauplatz zu kämpfen, der nichts mit dem Reaper-Krieg zu tun hat. Die Story ist jetzt nichts berauschend neues, aber es ist interessant Aria zu begleiten, welche mit Abstand der selbstsicherste und kompromissloseste Charakter des Mass-Effekt Universums ist.

Im Großen und Ganzen war ich mit allen DLCs zufrieden. Die Einen boten einfach mehr vom Selben, während die Anderen sich entweder auf Hintergrundgeschichten oder Kämpfe konzentrieren.

Aber waren sie ihr Geld wert? 

Nun, diese Frage ist bei DLCs immer sehr umstritten. Insgesamt kosten die drei circa 40 Euro. Um diesen Preis hätte man sich sicherlich auch ein etwas verbilligtes Vollpreisspiel kaufen können. Eine klare Kaufempfehlung oder Warnung möchte ich deshalb nicht aussprechen. Aber den Hinweis geben, dass es Sinn macht, sich entweder alle auf einmal zu kaufen oder gänzlich darauf zu verzichten. Alle drei Erweiterungen können zwar problemlos installiert und gespielt werden, bevor man die Endmission beginnt, aber vor allem bei Aus der Asche würde es doch Sinn machen, sie von Beginn an zu installieren.

Multiplayer

Völlig neu ist der diesmal vorhandene Multiplayer. Dieser lässt sich am ehesten mit dem „Horde“-Modus aus anderen Spielen vergleichen (zB bei "Gears of War"). Auf unterschiedlich großen Karten (welche teilweise direkt aus der Kampagne entnommen sind) treten vier Spieler gegen zehn Wellen von Gegnern an.

Die Spieler können ihre Charaktere aus den üblichen Klassen wählen, plus mehreren Spezialklassen. Hierbei kommen auch fast alle Rassen des Mass Effect-Universums vor und weisen in den verschiedenen Klassen unterschiedliche Fähigkeiten auf.

Die Gegner sind pro Spiel immer ausschließlich von einer Fraktion. Diese sind: Geth, Cerberus, Reaper Bodentruppen und Kollektoren. Je nachdem, in welcher Schwierigkeitsstufe eine Karte gespielt wird, steigert sich die Anzahl der Gegner und deren Art. Kämpft man anfangs noch gegen ungepanzerte Einheiten, sieht man sich am Ende dem ganzen Repertoire des Feindes, inklusive super-schwerer Gegner, gegenüber.


Es dreht sich aber nicht einfach nur darum, zu überleben. In jeder dritten Welle gilt es einen Spezialauftrag durchzuführen, welche sehr unterschiedlich sind (Drohnen eskortieren, Geräte hacken, Gegenstände aufsammeln oder bestimmte Gegner eliminieren). Zum Schluss muss man sich noch lange genug verschanzen, bis ein Shuttle zur Rettung kommt.

Motivation, möglichst lange zu spielen, wird durch die vielen Klassen, Rassen, Waffen, Ausrüstungen und Herausforderungen gewährleistet. Die gewonnenen Erfahrungspunkte werden in die Weiterentwicklung des Charakters gesteckt, während mit den Credits bessere Ausrüstungspacks gekauft werden.

Ein für mich neuer Ansatz war allerdings, dass der Multiplayer mit der Kampagne verzahnt wurde. Die Galaxie ist in mehrere Bereiche geteilt die unterschiedliche Bereitschaftswertungen aufweisen. Mit jedem gewonnenen Match steigt selbige und beeinflusst somit auch die militärische Stärke im Singleplayer. Dies spielt eine Rolle in Hinblick auf den Ausgang im Endspiel. Es ist zwar möglich, gänzlich ohne Multiplayer ein „gutes“ Ende zu erreichen, aber für mich war es durchaus ein Anreiz, mich für einige Stunden diesem Bereich zu widmen.

Technischer Kram

Grafisch hat sich in der PS3-Version gegenüber dem letzten Teil nicht allzu viel getan. Dies hängt aber damit zusammen, dass Mass Effect 2 auf dieser Plattform erst sehr spät veröffentlicht wurde. Hierbei fiel die Entscheidung, gleich die bereits fertiggestellte Engine für den dritten Teil zu verwenden.

Für mich ist die Grafik kein wichtiger Punkt in einem Spiel, weshalb ich auch nur wenig kritisches Verständnis dafür besitze. Für meine Anforderungen war dieses Kriterium jedoch vollends erfüllt. Der Detailreichtum der Charaktere, Waffen und Spielwelten hat mich beeindruckt.

Ein Manko (wenn auch kein allzu großes) musste ich bei der Vertonung feststellen. Es passiert immer wieder, dass in Dialogen Sätze einfach abgeschnitten werden. Manchmal geschieht es abrupt, manchmal klingt der Satz einfach aus und wird immer leiser.

Das Ausmaß und Auftreten dieses Problems bleibt jedoch überschaubar und stört den Spielfluss nur minimal.

Fazit

Mass Effect 3 vollbringt das Kunststück, den guten Teil seines Vorgängers zu übernehmen (und zu verfeinern) und gleichzeitig die kritisierten Teile tatsächlich sinnvoll zu verändern. Wie man sicher bemerkt hat, bin ich ein sehr großer Fan der Spielreihe und von daher auch die angepeilte Zielgruppe für dieses Spiel.

Ich habe schon viele gute und beeindruckende Videospiele genießen dürfen. Aber Mass Effect 3 (beziehungsweise die gesamte Reihe) hat etwas geschafft, das bisher nur wenige andere vollbracht haben: eine emotionale Bindung zu erzeugen. Ich wurde voll und ganz in diese Welt gezogen und in der Spielzeit „lebte“ ich dort. ICH war Shepard. ICH habe mich ins tiefste Kampfgetümmel geworfen. ICH habe Entscheidungen getroffen, welche die Galaxie verändert haben. ICH konnte mitfühlen, wenn sich Crewmitglieder stritten, starben oder verzweifelten.

Ja, die NPCs sind mir richtig ans Herz gewachsen. Es war wichtig für mich, was mit ihnen passiert. Nie hätte ich zugelassen, dass Tali etwas geschieht oder Samara Selbstmord begeht.

Und gerade deshalb war ich von einer Sache in diesem Spiel nicht nur enttäuscht, sondern richtiggehend geschockt: dem Ende. Aber davon soll ein anderes Mal die Rede sein.

Für wen also ist Mass Effect 3?

Wenn man eine neue Art Sci-Fi erleben möchte, sich nicht davon abschrecken lässt auch mal 30 Minuten lang nur virtuelle Gespräche zu führen, anstatt zu kämpfen, wenn man bereit ist, sich auf eine Welt und deren Charaktere einzulassen, dann kann ich dieses Spiel mit bestem Gewissen weiterempfehlen. 

Aber seid gewarnt: Hat man sich erst einmal ins Mass Effect-Universum begeben, kommt man nicht so schnell wieder hinaus ;)

Asgarod

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen