Playstation 3 Game-Kritik #18
Das zu Sony Computer Entertainment gehörende Entwickler Studio Naughty Dog, ist vor allem durch die Uncharted Reihe bekannt. Doch seit dem dritten Teil Ende 2011 - Drake's Deception - war es etwas still geworden. Und obwohl The Last of Us noch im selben Jahr angedeutet wurde, schlug das Resultat im Juli 2013 ein wie eine Bombe. Kritiker und Wertungen überschlugen sich für den Playstation 3 exklusiven Titel, doch an mir zog er vorerst vorbei. Obwohl ich viele Dinge an Uncharted mag, gehören die Charaktere und die Erzählkunst gewiss nicht dazu. Deshalb wurde ich erst nach sehr vielen Empfehlungen dazu überredet The Last of Us auszuprobieren. Und eines kann ich jetzt schon verraten: Oh wie sehr hab ich dieses Spiel unterschätzt...
Story
Das Jahr 2033. Die Menschliche Zivilisation existiert nur noch in Ansätzen und ist größtenteils zusammengebrochen. Die meisten Menschen leben zusammengepfercht in Quarantänezonen, wo ein regider Polizeistaat herrscht und immer wieder Hungersnöte ausbrechen. Der Rest durchstreift die Wildnis aus zerfallenen Städten, auf der Suche nach Vorräten und niemanden trauend. Nicht selten haben sich Gruppen zusammengerottet, welche auch vor Mord und Plünderung nicht zurückschrecken. Doch allen gemein ist die Furcht vor dem, was die Gesellschaft vor 20 Jahren vernichtet hat - Einer mutierten Art des Cordyceps Fungus - einer Art Pilz welcher andere Lebensformen befällt und nach und nach den Wirtskörper übernimmt. Wer sich infiziert, durch Biss oder eingeatmete Sporen, verliert den Verstand und wird zu einem kannibalistischen Monster. Eine Heilung gibt es nicht.
Wie so viele andere, hat auch Joel alles was ihm wichtig war, durch den Ausbruch der Epidemie verloren. Desillusioniert und voller Abscheu gegen sich selbst und die Menschheit, schlägt er sich als Schmuggler in der Quarantänezone von Boston durch. Aus der Not heraus, übernimmt er einen Auftrag der Fireflies (einer Widerstandsgruppe gegen das Militär) - den Schmuggel der 14 jährigen Ellie zu einem Übergabepunkt außerhalb der Quarantänezone. Doch der Auftrag geht schief und Joel, welcher seit langem nur noch daran denkt wie man den nächsten Tag überleben kann, sieht sich plötzlich mit der Chance konfrontiert die Menschheit zu retten - Ellie wurde infiziert, scheint jedoch immun zu sein. Widerwillig, doch aufgrund eines Versprechens, begibt sich Joel gemeinsam mit Ellie auf die Suche, die letzten Fireflies zu finden und damit die Chance, ein Heilmittel zu entwickeln.
Story-Ausführung
Nach dieser Zusammenfassung wird ein Blick auf meine Bewertung dieses Punktes vielleicht überraschen. Und ja - das Grundkonzept der Handlung ist nichts wirklich Neues: Eine Zombie-Apokalypse, Überlebende die sich gegenseitig bekämpfen, ein mögliches Heilmittel, welches durch gefährliches Gebiet gebracht werden muss. Ja sogar die Kombination aus zynisch älterem Mann und junger Frau, wurde schon in diversen Filmen und Büchern verarbeitet. Wirklich frisch ist nur das Zombie-Konzept mit dem parasitären Pilz.
The Last of Us besticht jedoch auf eine seltene Art und Weise, welche sich am besten so beschreiben lässt: Manchmal ist es gar nicht so wichtig was erzählt wird, sondern wie es erzählt wird. Es beginnt bereits mit dem Intro-Kapitel, welches meiner Meinung nach, die beste Einführung in eine Spielwelt ist, die es jemals gab. Es behandelt den Tag des Infektionsausbruches, aus der Perspektive von Joel. Nervosität, Angst vor dem Unbekannten welches sich anbahnt, Trauer über Verluste - all das katapultiert den Spieler schon in den ersten 15 Minuten des Spiels, mitten ins Geschehen. Die schwere der Ereignisse ist quasi fühlbar, während man sieht wie die Gesellschaftliche Ordnung zerfällt.
Generell ist dieses Spiel immens gut darin Atmosphäre zu vermitteln. Joel und Ellie sind auf ihrer Reise stets alleine inmitten der Wildnis oder zerstörten Städten. Ständig begegnet man Moos überwucherten Autowracks, Skelettierten Leichen und vermoderten oder verfallenen Gebäuden. Es ist schön und beängstigend zugleich, zu sehen wie die Natur über den kurzen Zeitraum von 20 Jahren die Überreste der Zivilisation zurückerobert hat.
Nicht vergessen sollte man die Gegner, welche ebenfalls einen wichtigen Teil zur Endzeitstimmung beitragen. Obwohl die Pilz überwucherten Zombies erschreckend aussehen und ein ganz eigenes Gefühl vermitteln, so sind die wirklich furchteinflössenden Gegner die anderen Überlebenden. Hinterlistig, unberechenbar und skrupellos, muss man sich immer wieder gegen Überfälle verteidigen, was einen als Spieler zur ständigen Vorsicht erzieht.
Gewalt wird explizit und schonungslos dargestellt und ist definitiv nichts für schwache Nerven. Schroteinschläge trennen Gliedmaßen ab, mit Eisenrohren wird auf Leiber einprügelt bis eines von beiden zerbricht und wenn es zum primitivst möglichen Nahkampf kommt, werden Schädel gegen Wände geschlagen oder unter Stiefeln zertreten. Die Darstellung wirkt jedoch niemals Plump oder auf billigen Blutrausch abzielend. Die Kämpfe machen nicht "Spaß" im eigentlichen Sinn (wie zum Beispiel in einem Halo etc), sondern sind jedes Mal tatsächlich ein Ringen um Leben und Tod, wo nur der Stärkste überleben kann.
Charaktere-Ausführung
The Last of Us konzentriert das gesamte Geschehen Voll und Ganz auf die beiden Protagonisten Joel und Ellie. Einerseits gibt es die Thematik zweier ungleicher Charaktere, welche gezwungen sind nicht nur miteinander auszukommen, sondern auch zusammenarbeiten müssen um in einer feindseligen Umgebung überleben zu können. Andererseits kommt im Laufe der Handlung natürlich das Vater-Tochter ähnliche Verhältnis zu Tage und wie sie damit umgehen sollen.
Wie alle Überlebenden, hat die Welt nach der Pandemie, Joel verändert. Seine Verluste haben ihn verbittert und zynisch werden lassen. Sein Weltbild ist pragmatisch - jeder Vorteil muss gesichert werden, Vertrauen ist nur eine Illusion und alles was zählt ist den nächsten Tag zu überleben. Er ist ein Kämpfer und Überlebenskünstler, der die Härte und Gnadenlosigkeit der Welt am eigenen Leib gespürt hat und mit aller Kraft versucht zurück zu schlagen.
Ellie hat mit ihren erst 14 Jahren die alte Welt nicht mehr erlebt. Auch sie musste bereits einiges in ihrem Leben einstecken. Gleichzeitig hat sie sich ein Stück ihrer kindlichen Naivität und Hoffnung erhalten können. Denn trotz allem ist sie ein Teenager - ist frech, widerspenstig und begeistert sich für Videospiele und Comics - auch wenn sich das auf Überreste und Geschichten beschränkt. Sie hat Mut und lässt sich nicht den Mund verbieten.
Das Zusammenspiel zwischen diesen beiden ungleichen Charakteren ist die eigentliche Triebfeder der gesamten Geschichte und spiegelt sich sogar im Gameplay wieder. Man könnte schon fast sagen das es eine Charakterstudie darstellt.
Dies alles gipfelt letztendlich in einem Ende, welches man vielleicht erahnt, aber gleichzeitig nie erwartet hätte. Für die Einen ist es sehr kontroversiell. Für Andere (mich eingeschlossen) war es lediglich die logische Konsequenz. Denn wenn The Last of Us eines mit seiner Handlung zeigt, dann das Moral und Ethik sehr individuell auslegbare Dinge sind.
Story-Bewertung: 3 von 3 Game-Controller
Gameplay
Ein elementarer Teil des Spiels ist das Fertigungssystem. Die Ausrüstungssituation während einer Post-Apokalypse widerspiegelnd, haben die meisten Gegenstände nur eine sehr begrenzte Haltbarkeit. Vor allem zu Beginn muss man als Spieler mit minimalen Vorräten auskommen und zwei Dinge sehr schnell lernen: Alles muss nach Einzelteilen abgesucht werden und sobald möglich, sollten Gebrauchsgegenstände hergestellt werden.
Aus den findbaren Komponenten (Alkohol, Scheren, Klebeband, Zucker etc) können dann jederzeit Verbrauchbare Gegenstände hergestellt werden (Messer, Heilpakete, Molotov-Cocktails etc). Allerdings gibt es eine Herstellungszeit während der man stillstehen muss und somit verwundbar ist. Mitten im Kampf Ausrüstung herzustellen ist somit riskant, kann aber durchaus notwendig werden.
In dieselbe Kerbe schlägt das Inventarsystem. Es kann immer nur eine Waffe pro Kategorie (Lang-/Kurzwaffen) im Schnellzugriff getragen werden. Möchte man auf eine andere wechseln, muss diese erst aus dem Rucksack gepackt und ausgerüstet werden.
Einen weiteren Anreiz ständig die Umgebung zu durchsuchen, bieten sammelbare Upgrade Produkte:
- Pillen: Diese ermöglichen es passive Charakterfähigkeiten aufzuwerten. Beispielsweise die maximalen Gesundheitspunkte oder die Herstellungsgeschwindigkeit.
- Waffenbauteile: An hin und wieder anzutreffenden Werkbänken, ist es möglich mit den Bauteilen einzelne Attribute einer Waffe zu verbessern. Zum Beispiel die Magazinkapazität einer Pistole oder die Streuung der Schrotflinte.
Besonders erwähnenswert ist noch die Interaktion zwischen Joel und Ellie. Immer wieder müssen sie zusammenarbeiten um kleine Rätsel und Hindernisse zu überwinden (zum Beispiel Abgründe oder Gewässer). Im Kampf wiederum ist Ellie zwar nicht besonders stark aber trotzdem hilfreich, da sie Gegner ablenkt oder leicht verletzt um Joel aus brenzligen Situation zu helfen.
Doch die Dualität der beiden wird auch in kleinen Gesten gezeigt. Wenn sie beispielsweise hinter etwas in Deckung gehen, gibt es eigene Animationen und Haltungen - Ellie kauert sich in den Zwischenraum zwischen Joel und der Deckung - die ihr enges Verhältnis widerspiegeln und Joel in der Rolel des Beschützers zeigend.
Gameplay-Bewertung: 3 von 3 Game-Controller
Grafik
Wer Uncharted kennt, weiß das Naughty Dog für beeindruckende Grafik steht. Mit dem erscheinen von The Last of Us am Ende der letzten Konsolengeneration, haben die Entwickler jedoch ein weiteres Mal gezeigt was man aus der PS3 noch alles rausholen kann.
Dieses Spiel zeigt uns eine der schönsten Post-Apokalypsen, welche es bisher in diesem Medium gab. Egal ob man in der schwülen Sommerhitze durch die Ruinen von Pittsburgh schleicht oder in den verschneiten Bergen Colorados auf Nahrungssuche ist - der Detailgrad und die Vielfalt der Spielwelt sind atemberaubend.
Nicht weniger beeindruckend sind die Charakter-Modelle. Obwohl mädchenhaft, sieht man den schon lange festgefressenen Dreck in Ellies Kleidung. Joels Bart und Kopfhaare zeigen schon deutliche Grauspitzen und nach einem Tauchgang klebt noch einige Zeit danach das Hemd an seinem Körper.
Grafik-Bewertung: 3 von 3 Game-Controller
Sound
Von allen Spielen die ich in meiner bisherigen Karriere spielen durfte, verwendete noch keines davon so wenig Musik wie The Last of Us. Über weite Strecken ist das einzige was man hört die Umgebungs-, Kampfgeräusche oder Gespräche zwischen den Charakteren. Während der Kämpfe gibt es keine motivierende Musik, den diese sind kein Spaß, sondern genauso wie es wirkt: der nackte Kampf ums Überleben mit allen Mitteln.
Nur selten, ganz sanft und fast schon zögerlich, gibt es ein paar wenige Melodien, welche die Trostlosigkeit der verlassenen Städte untermalt oder in einem der wenigen fröhlichen Momente einstimmt.
Der sparende Einsatz von Musik, macht für mich einen weiteren Grund aus, weshalb sich dieses Spiel so markant von anderen unterscheidet und macht die verwendeten Stücke umso einprägsamer.
Ein weiteres Lob gebührt den großartigen Synchronsprechern der Charaktere. Sowohl im Original als auch auf Deutsch, ist die hier geleistete Arbeit von höchster Qualität.
Sound-Bewertung: 3 von 3 Game-Controller
Fazit
Es wurde schon viel gesagt und die Punktezahl spricht eine eindeutige Sprache. The Last of Us ist das erste Spiel dem ich die höchstmögliche Wertung verleihe und da bin ich nicht der Einzige. Naughty Dog hat es tatsächlich geschafft ihre Charaktere und Handlung an die hohen Standards ihrer Grafik und Gameplay anzugleichen. Hut ab vor dieser Meisterleisung, welche ein Spiel hervorgebracht hat, welches in jedem Regal eines PS3/PS4 Besitzers stehen sollte.
Gesamt-Bewertung: 12 von 12 Game-Controller
Asgarod
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